programm

bebildert PDF text PDF text rtf   audio (pc-stimme)   kiezprogramm pankow 2006 

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das parteiprogramm der bergpartei, die überpartei
besteht aus dem programm und manifest der bergpartei
und dem programm der „ÜberPartei“

bergpartei-programm
  • erhaltung bedrohter und schaffung neuer freiräume, wo kreativität und gemeinschaft ohne kommerziellen druck ausgelebt werden können. förderung der vernetzung von gruppen,
    die solche freiräume organisieren.
  • weg mit der berliner linie !
  • einführung des bedingungslosen grundeinkommens bei gleichzeitiger abschaffung aller neoliberalen arbeitsmarktreformen und förderung von weiterbildender arbeitslosigkeit in einer gegenwart, in der vollbeschäftigung für alle zunehmend illusion wird.
  • höchstbesitzbeschränkungen, nivellierung des erbrechts und abbau überflüssiger bürokratie bei gleichzeitiger personeller stärkung notwendiger bürokratie.
  • umwandlung des verteidigungsministeriums in zwischennnutzungs- und querfinanzierungs-ministerium.
  • radikale kraftstoffreform und ungehinderte entwicklung erneuerbarer energiegewinnung.
    für jeden gefällten baum ein eingeschmolzenes auto.
  • radikale verkehrsordnungsänderungen zugunsten von fahrradfahrer_innen und fussgänger_innen und in ihrer mobilität eingeschränkten.
  • ermöglichung und förderung von regionalen und an wert verlierenden währungen, solidarischer ökonomie und abschaffung von zinsen.
  • gesetze zum schutz des öffentlichen raumes vor wirtschaftlichen interessen, änderung des bestattungsrechts und einrichtung konfessionsfreier friedhöfe, friedwälder und gebetshäuser.
  • aufklärung über und abbau von gesundheitsschädlichen kulturellen zwängen, schulsystemumstrukturierungen und förderung von freundschaft und freigeist statt konkurrenz und beurteilung.
  • grösstmögliche transparenz von volkswirtschaft und wertschöpfung.
  • prämien für ärzt_innen mit gesundgepflegten patient_innen statt prämien von der pharmaindustrie.
  • private kinderbetreung durch personen mit kinderwunsch (kind auf probe).
  • einführung der bezahlten reisepflicht.
  • rettung der wasserschlacht auf der oberbaumbrücke.
  • förderung des formationstanzes.
  • austritt aus der nato.
  • aushöhlung der linkspartei von links unten.
  • spaß kann auch politik machen! freiheit macht arbeit! von unten nach oben!

bergpartei-manifest
w a c h s t u m a l s h o l z w e g
die bergpartei stellt den nutzen von wirtschaftlichem wachstum in frage und plädiert für
ein bewusstes schrumpfen und entschleunigen, um der weltlage angemessen zu
begegnen. dieses motto bezieht sie auch auf sich selbst. das ziel der bergpartei ist es
nicht, vermeintlichen wählern_innen nach dem mund zu reden, um prozenthürden zu
überwinden, sonden dem allgemeinen kanon der wachstumsgläubigen mit plakaten und
aktionen entgegenzutreten.

s p a ß k a n n a u c h p o l i t i k m a c h e n

die bergpartei ist weder eine parodie noch eine spaßpartei, sondern der versuch,
mitglieder einer entpolitisierten spaß/party/kunst-gesellschaft wieder für aktuelle politische
entscheidungen zu sensibilisieren. und zwar vor allem mit hilfe von spaß, party und kunst.

k o m p e t e n z a l s m a s k e
ein_e kompetente_r politiker_in scheint vor allem an einem guten anzug/kostüm und am
professionellen verschleiern ihrer_seiner bestechlichkeit erkennbar zu sein.
die bergpartei sucht händeringend nach volksverteter_innen, die ein motivierendes
vorbild sein könnten – eben einfach unbestechlich, solidarisch, nett.

w i r ü b e r l e g e n n o c h
die bergpartei hat mehr fragen als antworten, und nimmt sich zeit, dazuzulernen, anstatt
in einer sich immer schneller verändernden welt nach patentrezepten zu suchen. wir
fordern das utopische anstatt realistische versprechen zu brechen.

r a u s c h d u r c h v e r z i c h t
her mit kerosinsteuer, baustopps und bedingungslosem grundeinkommen.
die mitglieder der bergpartei wollen weniger fliegen, kaufen und arbeiten.

d e n k e n u n d d e n k e n l a s s e n
die bergpartei gibt denkanstöße, überlässt jedem die weiteren schlussfolgerungen und
unterstützt die unabhängige verbreitung von nachrichten. das in die jahre gekommene
urheberrecht gilt es zu überdenken.
nur auf gesellschaftlicher reibungsfläche entsteht kultur.
kreativ sind wir nur, wenn wir alle zusammen kommen. kreativ sind wir nur, wenn wir
alleine sind. kreativ sind wir vor allem, wenn wir raum haben fürs zusammen kommen und
fürs allein sein

e r f o l g a l s b e d r o h u n g
wie wenig von engagierten parteiprogrammen übrigbleiben kann, wenn man an der macht
ist, bzw. an die macht will, machen uns besonders in berlin die linkspartei und die grünen
vor. die meisten beschlüsse des abgeordnetenhauses sind weder sozial, noch
ökologisch. die vermeintliche politische vertretung einer linken bevölkerungsschicht
scheint, selbst wenn sie in der mehrheit ist, durch ein komplett verfilztes
parlamentarisches system unmöglich zu sein.

p l e i t e a b e r a u f d e i n e r s e i t e
für unseren wahlkampf brauchen wir weder massenweise geld noch
wahlkampfkostenrückerstattung. was nicht heißt, dass wir uns nicht auch über spenden
freuen würden. die bergpartei setzt auf recycling, improvisation und eigeninitiative. die
kandidat_innen der bergpartei entwerfen, drucken, malen und hängen ihre plakate selber
und betrachten die straße als modernes museum.

programm der `ÜberPartei´

 

Das Manifest ist ein Fest!

Es ist erschreckend! Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir leben in einem System.
Ein gesellschftliches System in dessen Mitte die Gier nach Geld, Macht und Sieg steht
und das darauf aufbaut, dass jede*r zuerst an sich denkt. Die Konzerne sind dessen
heutige Herrscher*innen aber bestimmt nicht die Ersten. Sie halten dieses System
zwar aufrecht, doch es ist viel, viel älter als sie. Gehen wir also an seine Wurzeln in der
Geschichte, bevor alle Sachen irgendeinen Firmennamen hatten oder die
autoverpesteten Innenstädte, grell beleuchtet von überdimensionalen Reklametafeln zu
Mahnmalen der Sinnlosigkeit wurden.
Datieren wir die Industrialisierung auf den Punkt, an dem die Maschine, bis dahin nur
verlängerter Arm des Menschen, sich verselbstständigte. Die Geister, die wir riefen.
Doch nicht erst seit der Industrialisierung gibt es Macht. Erstaunlicherweise ist auch
nicht Geld der Ursprung allen Leidens. Obwohl es das bezeichnendste Sinnbild des
Kapitalismus ist.
Schon viel früher schlug die Geburtsstunde der Unterdrückung.
Ein markantes Merkmal des Systems ist die Unterdrückung der Frau und dessen, was
irrtümlicherweise „weibliche Werte“ genannt wird. Patriarchat und das System
entstanden zur gleichen Zeit, etwa 2000 Jahre vor Chr. Oder auch vor 7000 Jahren?
Damals gab es noch keine Kriege, also auch keine Gewinner, die ihre Geschichte
hätten schreiben müssen. Uns Menschen gibt es zwar schon seit rund 50 000 bis 3,2
Millionen Jahren. Aber erst seit wir uns als getrennt vom Universum begriffen und uns
wiederfanden in fest definierten Ich-Grenzen wurde die Frau nur ein Anhängsel des
Mannes. Und seid wir die Erfahrung des Subjektseins entwickeln die Herrschenden
immer raffiniertere Methoden, die Untergebenen zu unterdrücken, bewusst zu
manipulieren und auszubeuten. Was mittlerweile zur Perfektion gereift ist. Die
technologisch entwickelteste Kultur ist eine der sozial ärmsten und geistig geradezu
primitiv. Das, was viele Fortschritt nennen, hat die Welt an den Rande des Ruin
getrieben.
Das System ist das Patriarchat.
Das Patriarchat ist das System.
Patriarchat heißt Männerherrschaft,
Herrschaft ist männlich. So auch die Werte,
die diese Zivilisation zu verkörpern sucht,
wie Vernunft, Objektivität, Neutralität. Die
verkopflichte Gesellschaft schlägt sich in
Bürokratie nieder. Dominanz und
aggressives Verhalten, das heute
„Männern“ zugeschreiben wird, ist auch
Ursache für Krieg. Das System ist eine
einzige Unterdrückung, eine „große
Trennung“ (Guy Debord), die Menschen in
Männer und Frauen trennt, Männlichkeit
von Weiblichkeit, Körper von Geist, Privat
von Öffentlich, Innen von Außen, Natur von
Kultur, Politik von Ethik, Gut von Böse und
nicht zuletzt die Armen von den Reichen.
Herrschaft stützende, im Kapitalismus
ausgereifte Widersprüche und dualistische
Denkmuster.
„Das Problem dieser Zivilisation ist, dass
sie keine Alternative zu Auschwitz hat,“
sagte Heiner Müller. Das ist aus dem
Zusammenhang gerissen, aber Zivilisation
ist eine Krankheit. Zivilisatorische
Errungenschaften wie Schulen,
Krankenhäuser, Weltreisen, müssen neu
begründet werden. Bei der Entwicklung
zum heutigen Gesellschaftszustand hätte
sich das Los keiner*s einzigen
verschlechtern dürfen.
In einem allein auf materiellen Werten ausgerichteten Wirtschaftssystem aber bist du nur, was du schaffst und
besitzt, ist haben sein und werden menschen in nützlich und unnützlich eingeteilt.
„Mensch, geht’s uns gut!“ …verglichen mit dem Rest der Welt. Das System ist nicht der Gradmesser für den
Grad der Unterdrückung. Wer nicht leidet, ist auch weniger dringend am Paradies interessiert als die, die leiden.
Das ist ein Dilemma in einem viel größeren Dilemma, dessen Konsequenzen sich nicht erst in den Ländern
des globalen Süden besichtigen lassen. Auch wenn wir gerade nicht von Rassismus oder Sexismus betroffen
sind, erleben wir tagtäglichen Terror:
JEDEN Tag … auch jetzt … leben wir in einer künstlichen, plastischen, falschen Welt, voll mit Parfüm, um den
eigenen Geruch zu verstecken, perfekt genmanipuliertem Essen in fröhlich-bunten Verpackungen, aufblasbaren
Möbeln, atemberaubenden Einkaufswelten. Perfekte Körper in schicken Klamotten; glückliche Yuppies
nehmen original Soft Drinks; altbekannte Werbung, wo Blut blau ist; Superheldenfilme mit großartigen
Haarschnitten und und und. All die Fassaden, die wir gewohnt sind, all das konstruiert unsere Matrix: Eine Art
total vorgefertigter „Way Of Life“, den entlang Menschen und natürlich die versklavten Tiere leben müssen. Und
der immer im Heim endet. Dazu versucht das System Gefühle, die Unwohlsein verursachen, mit hohem Aufwand
zu unterdrücken.
11. September 2001: Das Fass ist übergelaufen! Der American Dream, diese Allmacht-Sicherheits-Illusion ist
geplatzt. Und auch heute in dieser umbruchreifen Zeit können wir wieder spüren: Es liegt etwas in der Luft. Und in der Krise sehen wir eine Chance. Über die unzähligen Varianten des Erträglichmachens des Weltschmerzes haben wir modernen Menschen die Frage nach den ökologischen Folgen gar nicht erst gestellt. Dieser Blindheit folgte nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus (der jede Hoffnung enttäuschte) ein allmähliches Erwachen und seit dem 11. September apokalyptische Panik: Der Mensch wird in Zukunft wohl gezwungen
sein, seine Bedürfnisse auf eher natürliche Weise zu befriedigen. Die Massenparanoia fängt sich zwar wieder in neue Illusionen, aber tiefgreifende Probleme schreien nach tiefgreifenden Entscheidungen und nicht nach der Schaffung neuer Illusionen.
Hallo, das Schuldenloch kann niemand stopfen. Diese Wirtschaftsordnung ist unheilbar krank. Wir wollen ja nicht noch mehr Panik machen, aber machen wir uns perspektivisch darauf gefasst, das es bald zusammenstürzt – wenn wir alle etwas mithelfen: Macht da nicht mehr mit! Gebt einen Dreck auf das, was sie euch sagen! Verliert die Beherrschung! Entzieht ihnen den Gehorsam … denen … ja, äh, wer auch immer die Schuldigen sein mögen. Am Ende ja wir alle, die wir den Mächtigen die Macht über uns ja schenken.
Wir alle: Schuldig! Schuldig!! Schuldig!!! Die Armen sind nur arm, weil wir reich sind.
Deshalb greift jetzt jeder in seine Tasche, nimmt das Portemonnaie und spendet es! NEIN! Kein Ablasshandel.
Lassen wir unseren Besitz hinter uns und sehen dem Ende ohne Angst, ohne Terror ins Gesicht. Dann sehen wir: Wir haben nur diese eine Welt.
Mitmenschen und Zeitgenoss*innen, basteln wir uns diese Welt, wie sie uns gefällt. Wir werden wieder Häuser besetzten und unser Gemüse pflanzen – wir werden tauschen, teilen, schenken!
Dem Tod schnell ins Gesicht geschaut, leben wir nur einmal.
… und zu kurz für Kompromisse. Deshalb lasst uns schnell die Macht über unser Leben zurückzuerobern. Wir müssen unsere Freiheit mit Verantwortung fü l l en, sie nicht mit Sicherheit töten, nicht mit Stimmzetteln weg stecken, nicht an Chefs verkau fen oder an Ehepartner versprech en. Schluss mit dem patriarchalen Besitzdenken! Eine radikale Umverteilung muss stattfinden! Die Häuser denen, die darin wohnen, die Werkzeuge denen, die sie benutzen, den Boden denen, die ihn bestellen. SOFORT!
Lasst euch nicht terrorisieren, von nichts und niemandem. Das ist die frohe Botschaft:
Fürchtet euch nicht! Habt – um Himmels Willen – keine Angst voreinander oder euch
selbst. Denn, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wenn gerade mal keine Revolution losbricht weht ein kalter Wind in einer kalten Zeit. Also wärmt euch gegenseitig. Versteckt euch nicht in
sicherem Komfort, kommt zueinander und gründet Kollektive!
Überzeugung?

Falls wir unseren Sinn für Humor und unsere Fähigkeit
der Liebe verlieren, falls wir verbittern, zornig und hart
werden, haben wir der Gesellschaft keine Alternative zum
Bestehenden mehr anzubieten (Allan Ginsberg)

Schalom! Wir haben den Kapitalismus abzuschaffen. Leute, die eine bessere Art des Zusammenlebens suchen und verdient haben, gründen diese Interessengemeinschaft. Wir laden alle Menschen ein, die ein kollektives Defizit verspüren. Denn welchen Namen auch immer das Ziel trägt, welcher Weg auch immer beschritten, welcher Aspekt des Ganzen betont, alle wollen das Gleiche: Ein Mensch soll nicht durch einen anderen leiden. Wir kennen viele liebe Menschen und wollen, das sie in Ruhe gelassen werden. Das, was hier gerade besteht ist nicht schon deshalb legitim, weil es eben besteht, sondern muss sich erst ausweisen vor der Forderung nach der Verwirklichung von -> Freiheit, -> Gleichheit, -> Solidarität …
Das ist die wesentliche Voraussetzung für jede Kritik an der Herrschaft. Wir wenden uns aber nicht nur gegen diese, sondern gegen Normativität und schon gegen Standpunkte schlechthin. Konstrukte wie Sinn, Geschichte, und das Subjekt spielen keine Rolle.

Wir schreiben gerade ein Programm mit Vorschlägen, um uns zu positionieren, damit wir uns angreifbar machen und ein gemeinsames Selbstverständnis haben. Eine Art Klassenbewusstsein. Das Bewusstsein, dass: Wir leben! Und wir werden sterben! Das an sich ist einzigartig. Aber haben wir eigentlich (bis dahin) die Berechtigung, ein so verschwenderisches und verantwortungsloses Leben zu führen? Im Versuch,
Schuldgefühle in diesem Punkt in Zukunft abzubauen, begannen wir
nachzuforschen und uns umzusehen. Wir wissen nun ganz sicher, das es
möglich ist, alle Dinge zu produzieren, die wir wirklich brauchen, ohne dass
Mitmenschen unter unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen.
Ab einer bestimmten Stufe persönlicher Entwicklung hat mensch jedoch keinen
Bock mehr auf Politik. Weil letztendlich alles, aber auch nichts wirklich
politisch ist. Denn es geht dabei um Zusammenhänge, abstrakte Systeme,
statistische Meinung und gesellschaftliche Prozesse. Politik ist ein Ersatz für
ganzheitliches Denken und vor allem Fühlen und funktioniert meist durch
Schuldkomplexe, die auf Feindbilder übertragen werden. Na toll. Politik hat
auch mit Macht zu tun. Sie entsteht durch die Ohnmacht der Menschen für sich
selbst zu denken und konzentriert sich bei denen, die nicht für sich selber
sorgen, aber dafür die Verantwortung für andere meinen übernehmen zu
können. Ein Ersatz der unmittelbaren Verbindung der Menschen untereinander.
„Die Macht des Staates ist die aller gefährlichste, da sie mit dem Anspruch auftritt, Ausdruck des allgemeinen Willens zu sein und die von ihr der Arbeit abgenommenen Reichtümer dem allgemeinen Nutzen zuzuführen. In Wahrheit dienen diese Reichtümer ausschließlich der Erhaltung des Staates selbst, das heißt der Macht der Obrigkeit, die die Ohnmacht der Regierten braucht.“ (Erich Mühsam) Sinn der Mächtigen aber ist, ihre Macht zu verteidigen. Mehr nicht. Während Gerechtigkeit den Bach `runter geht debattiert die Realpolitik um die Misere von Arm und Reich – unverschämt konsequent – herum. Diese Sphäre des Politischen, sie ist ein Ort, der erst durch die Abgrenzung zum Profanen entsteht, ähnlich „Dem Heiligen“. Deshalb schmücken sich Menschen mit dieser Ominösität. Des Kaisers neue Kleider ziehen wir uns nicht an! Offensichtlich ist Demokratie eher als ein Spiel zu verstehen, indem Farbe, Position und Figuren gewählt werden. Doch es ist ein ernstes Spiel, denn der Übergriff des Politischen auf das nackte Leben ist zu einer permanenten Ausnahme geworden. Für eine kleine Partei wie die überpartei ist der Einsatz sehr hoch und die Chancen sind gleich null. Doch seit über zehn Jahren beweisen wir unsere Autonomie und Souveräntät indem wir von dem Überlebenskampf entkoppelt handeln.
Durch große persönliche Opfer zeigen wir unsere geringe Bestechlichkeit.
Manchmal wäre es besser, einfach im Wald zu sitzen und Stöckchen zu Schnitzen.
Doch wer würde es wagen, uns eine Spaßpartei zu nennen?
Minderheiten, unterdrückte und isolierte Gruppen
brauchen jetzt eine Über Ideologie, die sie über
andere erhebt, um sich von der Masse abzuheben
in etwas Gemeinsameren. Du auch? Sicher wird der
Frust über die ständigen Angriffe systemkonformer
Dummer zu einer LUST (spekulativer Bejahung), die
aus der Opferperspektive übergeht zu dem, was
das „Band der Verzweifelten“ heißt und sich entlädt
zu Taktiken, gegenseitigen Hilfsversprechen und
Wahrheiten, die der Regel widersprechen, die der
hierarchischen Gesellschaft zu Grunde liegt. Von
der sind wir ausgeschlossen. Übereinstimmung mit
sogenannten Wahrheiten anderer, die das Böse
„Irgendwelche Gründe wird es schon haben“
entlarven können müssten, erzeugt Überheblichkeit,
die sich zu dem Schutz gegen Angriffe mit „Da
stehen wir drüber!“ berufen fühlt. Das beruhigt
nämlich ungemein. Wie wir nun, die wir aus der
Perspektive der Außenseiter*innen die faschistoiden
Züge, die dem deutschen Bürgertum zuinnerst
vorgezeichnet sind, erfahren mussten, darauf
kommen, gerade einen stürmischen Debattierclub
zu gründen und andere aufklären zu wollen, hat
folgende Gründe: Einen irgendwie prophetischen
Anflug und eine schamhaft verborgene
pädagogische Ader. Oder der starke Helferkomplex, dem „Proletariat“ das eigene Joch bewusst zu machen, auf dass arme Menschen ihre Situation erkennen, jedes Weh-Wehchen auf das Zuspitzen kapitalistischer Widersprüche zurückführen und eine Revolution anzetteln. Also sind wir Revolutionäre in der Regel solche, die die Ungerechtigkeiten die ganze Zeit ertragen und in uns rein fressen, bis wir durchdrehen. Zeigt mir jemanden, der sagt: ‘Es muß etwas getanwerden !’, und ich zeige euch einen Kopf voller bösartiger Absichten, die sich
anderswo nicht austoben können. Wonach wir stets streben müssen, ist das Auffinden des natürlichen Flusses, und mit ihm müssen wir gehen.“ (Frank Herbert)
Zu jeder guten Ideologie gehört auch, um die historische Bestimmung zu unterstreichen, eine
abgefahrene Interpretation der Geschichte. Eine unendliche Stärke beziehen auch wir aus der
Gewissheit: Die Zeit ist auf unserer Seite und alle Gestirne sprechen dafür: Die Geschichte läuft unweigerlich auf das Goldene Zeitalter hinaus.
„Wer der geschichtlichen Verantwortung nicht gerecht werden kann, betrügt sich selbst und andere und zieht sich schließlich in eine Ecke zurück.
Diejenigen, die eine große historische SEHNSUCHT und Behauptung in sich tragen, haben in der Geschichte eine unerschütterliche Stellung und können nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden.“
(Abdullah Öcalan)
Letztendlich aber können wir nur an uns – die Menschen – glauben. Zeit macht dabei keinen Unterschied. Weil: Wir machen den Unterschied!
Nicht die Organisation, sondern der “Lifestyle”, der Charakter und die Existenzweise jedes einzelnen Mitgliedes bestimmen das Schicksal, das uns ereilen wird. Das erscheint der einzige Weg. Wir haben zwar die Hoffnung, das sich das Denken der
Menschen über sich ändert, denn ansonsten würde der Mensch unter den Problemen, die er sich angehäuft hat, umfallen. „Doch nur, wer Pessimist genug ist, die ganze
Größe der Gefahr zu erkennen, hat überhaupt die Möglichkeit, an ihrer Abwendung mitzuwirken.“ (Wilhelm Röpke)
Da alles einem bestimmten Prinzip folgt, kann mensch sich zu jedem x-beliebigen Mist mit dem Ideologie-SelbstBaukasten des aufgeklärten, reflektierten Geistes eine passende Ideologie basteln.
Auf die Gefahr hin, das die Idee des Rechts nur aus
rechtlosen Umständen resultiert und somit unsere Ideale
von ->Freiheit, ->Autonomie und Unabhängigkeit (diese
komplexen Vorstellungen gehen zurück auf die religiöse
Idee des freien Willens) nur das Gegenteil der
herrschenden Unterdrückung sind, schufen wir uns besser
ein Fundament, wo keines ist. Durch das radikale
Reduzieren von Komplexität. Eine nihilistische Antihaltung
wird automatisch zur Ideologie. Und rastlos suchen wir
nach der grundlegenden Versöhnung, die Gespaltenes
wieder heil macht.
Zum Demokratieverständnis
und unseren Aufgaben
Jede*r Recht getan ist ein Ding, der keine*r kann
Deutsches Sprichwort

Unsere Aufgabe ist es hauptsächlich, zur Meinungsbildung beizutragen.
Wir bekennen uns zur Demokratie, auch wenn diese den Problemen unserer Zeit nicht entsprechend radikal und konsequent begegnet. Geht alle Macht vom „Volke“ aus? Nimmt mensch „Demokratie“ wörtlich heißt es „Volksherrschaft“. (Das Wort „Volk“ sollte nicht mehr verwendet werden) Alle hätten Macht. Es gäbe keine Hierarchien und keine Vertreter*innen.
Genau solch eine Demokratie wollen wir. Wir wollen es zwar auf uns nehmen die Fehler, die gemacht wurden, auszubügeln, aber ohne dem alten ausgetrampelten Weg zu folgen, der uns ja hierher gebracht hat. Wir sind keine Avantgarde -das Bewusstsein einer gesellschaftlichen Gruppe. Niemand hat es nötig, repräsentiert zu werden. Wir wollen nicht das Elend
verwalten, wir wollen die Umkehr bringen! Jedoch sehen wir dafür im Parlamentarismus nicht ganz das richtige Mittel. Wir bleiben die Opposition von der Straße. (Das ist nicht immer wörtlich gemeint)
„Parteien, Verbände und kleinere Organisationen, die mit und in den Apparaten Veränderung
durchzusetzen versuchen, werden gründlich desillusioniert. Vielmehr zeigt sich, dass die
Technokratie sämtliche Entscheidungsfelder besetzt. Technokratie, die Herrschaft von Fachleuten, blockiert öffentliche Diskussion, Betroffenenvertretung und damit wesentliche Lebensgefühle. Unter dem Vorzeichen allumfassender Sachkompetenz konnte sogar der Zügel zwischen Befehl und Gehorsam wieder straffer angezogen werden.“ (unbekannt)
So erschreckend unglaublich es auch ist: Auch dieser Staat wurde mal im Zuge einer Revolution gegründet und mit spendablen Idealen wie Unversehrtheit und Freizügigkeit versehen. Dass davon nicht viel übrig blieb, zeigt, dass „Regierungsformen – wenn sie fortdauern – in immer stärkerem Maße zu aristokratischen Formen tendieren. Es gibt keine Regierung der Vergangenheit, von der bekannt geworden wäre, dass sie diesem
Muster nicht entsprach. Und sobald die Aristokratie sich ausbreitet, tendiert die Regierung immer mehr dazu, lediglich die Interessen der herrschenden Klasse zu vertreten – ob sie nun auf erblichem Adel oder Vormachtstellungen finanzieller Mächte beruht.“ (Frank Herbert)
„Ökologische Bewegungen, die sich in parlamentarische Aktivitäten begeben, legitimieren nicht nur die staatliche Macht auf Kosten der Volksmacht, sondern sie sind auch gezwungen, innerhalb des Staates zu funktionieren und letzten Endes Blut von seinem Blute und Fleisch von seinem Fleische zu werden. Sie müssen sich an die „Spielregeln“ halten, was bedeutet, ihre Prioritäten nach vorbestimmten Regeln zu setzen, über die sie keine Kontrolle haben.“ (Murray Bookchin)
„Die Macht vollzieht ständig und von Natur aus Totalisierungen, und darum sagt Sie: die Theorie ist von Natur aus gegen die Macht. Sobald sich eine Theorie an einem bestimmten Punkt festbeiszt, wird die geringste praktische Konsequenz unmöglich, wenn sich nicht irgendwo eine Explosion ereignet. Aus diesem Grund ist der Begriff der Reform so dumm und heuchlerisch. Entweder ist die Reform von Leuten erarbeitet, die sich für repräsentativ halten und die sich einen Beruf daraus machen, für die anderen, im Namen der anderen zu sprechen, so ist das ganze ein Unternehmen der Machthaber, in dem die Repression nur ausgeweitet wird. Oder es handelt sich um eine Reform, die von Betroffenen selbst verlangt wird, dann ist es keine Reform mehr, sondern eine revolutionäre Aktion, die aufgrund ihres partiellen Charakters dazu bestimmt ist, die Totalität der Macht und ihrer Hierarchie in Frage zu stellen.“ (Gilles Deleuze)
Deshalb ist es wichtig, das nach DER Revolution die Bürger ihre neu
gewonnene Freiheit nicht gleich wieder abgeben. Trotz und wegen der
Wankelmütigkeit der Masse, brauchen wir „permanente
Revolution“ (Leo Trotzki). Keine Frage, dass die Geschichte
wechselhaft verläuft. Aber jeder Versuch, ein System zu entwerfen,
das nicht zerfällt, wäre – wie Kapitalismus – von Anfang an zum
Scheitern verurteilt. Es würde uns immer etwas fehlen. Wir wollen die
Welt verändern, ohne Macht zu übernehmen. Entscheidungen dürfen
nicht über die Köpfe von Anderen hinweg getroffen werden, sondern so
nah an den Betroffenen wie möglich – von ihnen selbst.
Der Übergang in eine klassenlose, herrschaftsfreie Gesellschaft ist also
die wahre Kunst. Der Staat ist aus seiner unspontan bürokratischen und militärisch strukturierten Natur heraus Teil des Problems und kann für solche Entwicklung keine Hilfe sein, außer die rechtliche Grundlage zu schaffen und seine allmählich letzten Mittel – Steuern, Subventionen und Polizisten – locker machen. Der Staat ist doch nicht die Gemeinschaft! Und auch die Wirtschaft soll mal nicht so tun, als wäre sie die Sonne, die alle Energie spendet!
Total von unten her organisierte Bürger müssen ihre Verantwortung dem Staat entziehen und – soweit es geht -unabhängig von staatlicher Unterstützung werden, indem kollektive Aufgaben den lokalen Gruppen übertragen werden. „Nicht der Pyramide der Herrschaft, sondern dem Kreis der Gemeinschaft.“ (Manitonquat)
Und mehr als das müssen wir uns auch der Verwertung entziehen. Die neoliberale Globalisierung hat Nischen. Aus Subkultur, alternativer Lebensweise und auch auf wirtschaftlicher Basis Chef-freier Kollektivbetriebe in vorerst parallel zur Privatwirtschaft existierenden Netzwerken von Tauschbörsen, „Fairtradeunternehmen“ und
Eine-Welt-Läden, Umsonstläden, Foodcoops … wollen wir eine komplette Parallelgesellschaft stricken. „Das Lebensmodell – einfach leben, solidarisch und ohne Profitgier handeln, miteinander teilen nicht aus Zwang, sondern aus Freude, verantwortungsbewusst, aufmerksam und liebevoll mit der Schöpfung umgehen – dieses Modell, das von uns in schwierigen und spannungsvollen Zeiten gelebt wird, bietet ohne Zweifel die beste, vielleicht einzige Überlebenschance für viele Teile unserer Erde.“ (über Franz v. Assisi)
„Wir glauben darüber hinaus nicht, dass gerade unsere Ideologie viel ändern wird, oder irgendeine. Was auch nicht mehr zu wünschen wäre.
Vielmehr sind es die kleinen praktischen Dinge, die das Leben der Menschen betreffen und vielleicht irgendwann größere Ausmaße annehmen. In kleinen Gruppen, von unten her; von den Verhältnissen der Menschen untereinander.“ (Christa Wolf)

Revolution?
„Einen Tisch kann man umwerfen und eine Fensterscheibe zertrümmern; aber
die sind eitle Wortemacher und gläubige Wortanbeter, die den Staat für so ein
Ding oder einen Fetisch halten, den man zertrümmern kann, um ihn zu zerstören
Staat ist ein Verhältnis, ist eine Beziehung zwischen den Menschen, ist eine Art,
wie die Menschen sich zueinander verhalten; und man zerstört ihn, indem man
andere Beziehungen eingeht, indem man sich anders zueinander verhält.“
Gustav Landauer

Es bleiben nur noch die Fragen wie, und vor allem warum das System funktioniert. Ein System funktioniert – nur in sich – logisch reibungslos.
Wir leben in einer zweigeteilten Gesellschaft. Die Klassen sind nicht deutlich zu erkennen. Aber dennoch sind die Meisten von einem Lohn abhängig. Und da niemand das bekommt, was er eigentlich erwirtschaftet, muss es irgendwo auch die herrschende, genauer: die besitzende Klasse geben. Aber von der Ausbeutung des Anderen profitiert jede*r von uns. Wobei viele mehr anders sind als andere. Aber Jede*r in Deutschland ist
Ausgebeutete*r und auch Ausbeuter*in zugleich. Kapitalismus ist also keine Verschwörung von Wenigen, sondern er funktioniert, weil wir funktionieren. Vertrieben wir nur die Herrschenden, bliebe das Machtvakuum und sie wüchsen nach wie die Köpfe der Hydra.
„Warum stehlen denn die Hungernden nicht oder streiken die Ausgebeuteten?“ (Wilhelm Reich)
„Warum kämpfen die Menschen um ihre Knechtschaft, als ginge es um ihr Heil?“t (Spinoza)
Sich alleine zu fühlen und nicht genügend Informationen über die genaue Funktionalität des Systems zu haben, hält uns auf, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen.
Sind wir überhaupt fähig, in der Gesellschaft unserer Träume zu leben?
So selbstverantwortlich die Freiheit zu nutzen, dass kein Machtvakuum
entsteht? Es wird deutlich, dass eine Persönlichkeitsänderung nötig
geworden ist. Die Front verläuft nicht mehr nur zwischen links und rechts der Barrikade, sondern vor allem zwischen denen, die sich treu geblieben sind und denen, die ihr Denken und Fühlen den Sachzwängen und Anforderungen unterordnen.
„Einen Tisch kann man umwerfen und eine Fensterscheibe zertrümmern; aber
die sind eitle Wortemacher und gläubige Wortanbeter, die den Staat für so ein
Ding oder einen Fetisch halten, den man zertrümmern kann, um ihn zu zerstören.
Staat ist ein Verhältnis, ist eine Beziehung zwischen den Menschen, ist eine Art,
wie die Menschen sich zueinander verhalten; und man zerstört ihn, indem man
andere Beziehungen eingeht, indem man sich anders zueinander verhält.“
Gustav Landauer
„Unser Ziel ist es, die Basis von Isolation und Konditionierung zu untergraben und das System der Sonnenuntergangs-Mentalität zu durchleuchten und zu recyceln.“ (ein Flyer)
Das System kann nichts dagegen tun, wenn wir uns unserer Selbst bewusst werden, die gemeinsamen Möglichkeiten erkennen und damit aufhören, uns gegenseitig anzugreifen und auszunehmen. Es wird überflüssig!
Wenn die Grenzen der Identität verwischen, wodurch sollten wir uns denn unterscheiden? Die Welt gehört uns und es liegt in unserer Hand, was mit ihr wird.
Wie sollten wir, wenn wir unsere Situation erkannt haben, aufzuhalten sein?
Steuerpolitik
„Der Staatsgedanke, dies große erlauchte Wort, das nichts
als Unfug stiftet und die Menschen zu Nummern macht.“
(B. Traven)

Freiheit ist nicht, mit ́ner Harley über den Highway zu brettern, sondern:
Verantwortung. Und mit ihr kommt auch die Neigung sie loszuwerden. Alle Beide. Als Verursacher*innen von Müll trägt mensch die Verantwortung – nur so als Beispiel – oder für Schnee und Blätter auf dem Bürgersteig vorm Haus. Im Ameisenhaufen Berlin jedoch ist dafür die Kolonne der Berliner Stadtreinigung verantwortlich. Mit den Steuern haben wir unsere Freiheit an den Staat verkauft. Die BSR hat – in dieser Form – nichts mehr
mit Arbeitsteilung zu tun. Denn sie wären dann ja nur eine Interessengemeinschaft von Leuten, die „sauber” machen und Bäume pflegen würden. Aus dem inneren Bedürfnis heraus, die Umwelt auch außerhalb der eigenen vier Wände zu verändern. Verantwortung ist das der Macht entgegengesetzte Prinzip. Verantwortung verwandelt Abhängigkeit vom System und von Leuten in orangenen Kitteln, die sich um dich kümmern, in selbstbestimmtes Leben. So haben wir uns das zumindest gedacht. Doch „wer sich nicht bewegt, der spürt auch seine Fesseln nicht.“ (Rosa Luxemburg)
Wussten wir, was Leben ist, merkten wir auch
eher, was uns davon abhält. Wir Menschen
sind mit der Gabe der Freiheit einfach
grenzenlos überfordert. Die vielen
Möglichkeiten machen jede Entscheidung
beliebig und dadurch unauthentisch.OK.
Jedenfalls, wenn du über die Dächer einer
Großstadt oder in die Sterne schaust – dir
eben mal tierisch klein vorkommst, wie eine
Ameise, verstehst du, dass diese individuelle
Freiheit nur ein Stadium der Einsamkeit ist.
Der westliche Individualismus und seine
Vorstellung von Freiheit, hat dazu geführt, das
wir uns als Hauptdarsteller/in und die
anderen nur als Statisten sehen – im Film des
Lebens. Und natürlich gucken alle hin, wenn
wir uns auf ein Podest stellen, was wir
tagtäglich probieren, als Zeichner, Musiker,
Schriftsteller, Lottospieler oder Welt-einbisschen-Verbesserer [Auto, Haus, Kinder,…] –
die großen Träume eben, die uns wach
halten, an die wir uns hängen, für die wir uns
abstrampeln, oder eben aus eigenen
Lebenswillen heraus. Der Ich-Kult lähmt die
Bewohner*innen westlicher Industrienationen,
gleichwohl er die Konzerne prächtig verdienen
lässt. Denn wir werden ausgenutzt, als wären wir
Bauern im Schachspiel der Freien Marktwirtschaft, und diese Träume, für die wir
uns so abstrampeln werden immer an einem feinen Faden hängen, bis wir sterben oder
wir sie vergessen, wenn wir nicht endlich anfangen, gemeinsame, alternative Perspektiven zu entwickeln. „Freiheit bedeutet nicht Begnügen und Vergnügen, sondern Verantwortung und großen Zusammenhalt!“ (Abdullah Öcalan)
Ihre Verwirklichung hängt von der Ermächtigung derer ab, die
bisher Benachteiligt waren. Aber ohne die Schublade zu
bedienen, auf der ihre Benachteiligung basiert. Dabei dürfen wir
sie nicht vertreten wollen und auch nicht elterlich behandeln.
Die Notwendigkeit eines Staates kann nur auf einer Annahme
ruhen: Der Mensch sei „von Natur aus“ schlecht, bräuchte
Überwachung, Kontrolle, Bevormundung, Polizei und Knäste.
Doch kannst du einen Menschen nennen,in dem sich Gott je
zuhause gefühlt hätte? Eine Zeit? Einen Ort? Alles, was wir über
„die Natur des Menschen“ sagen können ist, dass sie sich
ständig verändert. Es gibt nichts im Kosmos, das total gut oder
total böse ist. Immer sind es nur Bewegungen. Und so möchten
auch wir nur ein Teil davon sein. Denn Freiheit ist nichts.
Befreiung ist alles.

Bildung
Der neoliberal provozierte Geschichtsverlust sollte
unsere Dankbarkeit nicht daran hindern, das Leben
Hilfloser als kollektive Aufgabe wahrzunehmen.

„Disziplin dient insgeheim meist der Unterdrückung. Sie wurde nicht zur Befreiung, sondern aus Gründen der
Begrenzung geschaffen.“ (Frank Herbert)
Wenn wir eine bessere Welt wollen, brauchen wir schlaue Kinder und keine hilflosen kleinen Wesen, die unter
Druck gesetzt werden, um Leistungen zu erbringen. So, Buch zu! Wir wollen es wissen! Wir wollen die Wahrheit!
Politiker*innen, das können Leute wie wir alle sein. Aber Lehrer*innen, Erzieher*innen und Pfleger*innen müssen
die meiste Verantwortung in ihrem Beruf tragen. Es gibt zum Beispiel Schulen, wo Lehrer*innen sich ihre Autorität
bei den Schüler*innen mit Wissen verdienen, ihr Verhältnis zu ihnen nicht auf Schulpflicht und Kohle-machen
aufbaut, sondern in dem Bedürfnis der älteren Generation liegt, ihre Erfahrungswerte an Jüngere weiterzugeben.
Was Interesse weckt und Neugier. Am wichtigsten ist die geistige Seelenbildung und nicht, Gehorsam zu
reproduzieren. Ein Kind zu fördern ist weit mehr, als seine bloße Ernährung und Beschäftigung. Das Fördern
inneren Wachstums ist ein viel zu komplizierter Vorgang, als dass er von irgendeinem Instinkt oder einer
Institution gesteuert sein könnte. Viel Aufmerksamkeit sollten Bezugspersonen und Politiker den Kindern
schenken. Es gibt keine bessere und letztendlich andere Möglichkeit, einem Kind beizubringen, dass es ein
wertvoller Mensch ist. Dementsprechend geht es dann mit
seinem Leben, dem anderer und der Welt um.
Die direkten Bezugspersonen wissen intuitiv noch am ehesten,
was für ihr Kind „am Besten ist“ und sollten viel, viel Zeit mit ihnen
verbringen. Die Kitas sollen zu Kinderläden umstrukturiert
werden, die die Verwandten oder Bezugspersonen selber
betreiben.
Es reicht nicht, den Umgang mit Kindern in wöchentlichen Kursen
zu erlernen. Grundsätzlicher Respekt vor jedem Lebewesen als
ebenbürtig und der ständige Kontakt zum eigenen „Es“ sind die
Schlüssel zu einer kinderfreundlichen Politik.
Die Kinder gehören uns nicht, auch nicht unsere „eigenen“. Es
sind Töchter* und Söhne* des Lebens` Verlangen nach sich
selbst. Wir können ihnen unsere Liebe geben, aber nicht unsere
Gedanken. Denn sie haben ihre eigenen. Sie wohnen im Morgen.
Wir dürfen sie uns nicht gleich machen, denn das Leben läuft ja
nicht rückwärts.
Die Praxis des Erwachsenwerdens verläuft in vielen kleinen
Schritten, mit vielen kleinen Sprüngen ins Unbekannte. Die vielen
Tabus, Diskriminierungen, Regeln und Verbote nehmen das
Lernen durch das „Versuch und Fehlschlag“ – Prinzip vorweg und
machen unsere Kleinen unmündig. Autoritäre Strukturen in der
Schule und Zuhause treffen die wehrlosen und rechtlosen Kleinen
am stärksten. Wer dem selektiven Druck nicht Stand halten kann oder will, wird von dieser Gesellschaft brutal
ausgegrenzt, abgestempelt und diskriminiert. Nur die „Schönsten“, „Besten“ und Rücksichtslosesten erreichen
etwas. Die zum Verlust ihrer Kindheit, zu Besitzdenken und Wirtschaftswachstum dressiert werden.
Eine Erziehung zur Unfähigkeit zu lieben. Eine Erziehung zum Liebesentzug. Eine Erziehung zu
Ersatzbefriedigung von Liebesbedürfnis durch Massenkonsum; Eine Erziehung zu Kommunikation und
Aufmerksamkeit durch Medien. Es ist zum Fürchten, mit was für Vorbildern die Medienwelt den
Heranwachsenden auflauert, die den arbeitenden Eltern zur Entlastung dienen soll. „Erziehung“ ist Sache von
Verwandten oder Bezugspersonen, die das Kind lieben und vorbildlich zum eigenständigen Leben begleiten. Oft
scheint vergessen, was die einfachste Art des Lernens ist: Das Nachmachen von Vorbildern. Ein nicht ganz
unpolitischer Faktor, denn das Problem dabei ist nun, dass die ganze Menschheit einerseits noch total kindisch,
unverantwortlich und unselbständig ist und andererseits extrem kinderfeindlich.
Architektur und Produktionsweisen lassen keinen Platz für Kinder. Äußerlich scheinen sie vielleicht wie
erfolgreiche Erwachsene, doch die meisten dieser „Erwachsenen“ bleiben bis zu ihrem Tod psychisch Kinder, die
sich nie wirklich von ihren Eltern und von der Macht, die Eltern über sie hatten getrennt haben. Nur Wenige haben
ein erkennbar persönliches Leben entwickelt. Alles an uns scheint aus zweiter Hand zu stammen, sogar unsere
Gefühle. In vielen Fällen müssen wir uns sogar auf Informationen aus zweiter Hand verlassen, um überhaupt
funktionieren zu können. Langsam, aber beharrlich lassen wir uns enteignen – von unserer Sprache, von unseren
Gedanken und von unseren Gefühlen. Autoritäre Charaktere sind während ihrer Erziehung dressiert worden,
mussten ihr Lustempfinden und ihre Triebe der Realität und den vorgegebenen Sachzwängen unterordnen, ohne
für sich diesen wichtigen Konflikt lösen zu können.
Das Grundgefühl eines sterilen, vorgeplanten, vorher bestimmten Lebens – vorausgesetzt, mensch ist auf der
Gewinnerseite – hat alle Menschen nachhaltig geprägt. Unterschiedlich sind hingegen nur die Formen, wie
Einzelne den Widerspruch zwischen Gefühl und Erfordernis verarbeiten. Die Einsicht, das sich der Mensch als
höchstes Rechtsgut den Sachzwängen der technologischen Diktatur von Raum und Zeit bedingungslos zu
beugen habe löst überall tiefe Verbitterung, Ohnmacht und Resignation aus.
Allenthalben leiden Menschen an unterentwickelten Lebenstrieben, quält uns innere Leere.
Die Jugend, die hilflos und wütend mit ansehen muss, wie ihr Freiheitsspielraum und ihre Zukunftschancen immer
kleiner werden, wehrt sich zunehmend gegen ihre Bevormundung. Da es für sie aber keine erziehungsfreien Orte
gibt, bleibt für viele nur noch das Leben auf der Straße. In der jungen Generation wird der Club zum Zuhause und
die Clique zur Familie. Viele bewegen sich zwischen Kriminalisierung und Selbstzerstörung. Sie halten den
ganzen Erziehungswahnsinn, Elternkrach, Leistungsdruck, Ämter- und Bullenstress, Schulden, Mobbing und
Denunzierung einfach nicht mehr aus.
Ob nun städtische Subkultur, Landkommune, Spirituelle Wege, Selbstmord oder Drogenkonsum – je
eindimensionaler Manager, Politiker und Funktionäre dieses Land verwalten, desto mehr Jugendliche werden sich
hier freiwillig ausbürgern. Schon längst unsere praktische Antwort. Die lange Nicht-Beteiligung an
„demokratischen Prozessen“ war keine Entpolitisierung unserer Generation, sondern war unsere Art, Politik zu
betreiben. Die weitverbreitete Behauptung, Jugendliche seien geradezu unpolitisch, und hätten sich ich-bezogen
in eine Traumwelt abgekehrt, trifft nicht zu. Eine junge Generation, die sich in ihren Selbstwertgefühl bedroht
sieht, hat ausgezeichnete Antennen für Macht und Ohnmacht. Ihre Sensibilität ist
ausgeprägter, um Unterdrückung, Elend oder Leid nachzuempfinden, als bei den
ausgebufften Profis, die für sie zuständig sind. Die Veranlagung, die alten Umstände
zu hinterfragen gibt es nicht ohne Grund. Diese Phase zwischen Kindheit und
Erwachsenenalter gibt es zum Beispiel in soganannten Naturvölkern nicht, da es so
etwas wie Erziehung dort nicht gibt. Allen sollte freistehen, mit wem und zu wie
vielen man eine „Lebensgemeinschaft“eingeht. Eine Chance, ehrliche Bezugsgruppen aufzubauen.
Wir wollen gleichzeitig aus Familien flüchten und keine der angebotenen pädagogischen Hilfen annehmen. Unsere
Suche nach dem Paradies ist die Suche nach der verlorenen Kindheit. (Anspielung an Jean Liedloff) Der Versuch, den überfüllten Verstand seinen Schattenseiten, der Fantasie, dem Gefühl und der Spontanität wiederzugeben.

Drogen
Drogenpolitik ist Gesundheitspolitik.

Gesundheit
Mehr Vertrauen in die Selbstheilungskräfte!

Saubere Natur und gesunde Lebensweise, das heißt: Tiefe Atmung, viel Bewegung, gute Ernährung, Gleichgewicht des Seelenlebens und Zusammenhalt der sozialen Bezugsgruppen sind die Grundlagen für “körperliche Unversehrtheit”.
Mit einem Haufen Pharmazeutika, die Menschen das Bewusstsein dämpfen, Probleme verdrängen, zerstreuen, den Heilprozess verlängern und nur hohe Kosten verursachen, wird versucht, Krankheiten zu begegnen.
Zu dem, was von Akupunktur bis Naturheilkunde an einfachen traditionellen Heilmethoden erhalten geblieben ist, bräuchte die etablierte chem./techn./chirurg. Schulmedizin nur eine Ergänzung sein. Besonders aus gesundheitlichem Standpunkt taugt die kapitalistische Gesellschaftsform also nicht. Viele Krankheiten werden durch industrielle Umweltverschmutzung und Arbeitsverhältnisse, Stress, Junk Food, Lärm, allgemein falscher
Befriedigung von Grundbedürfnissen und konkurrenzbedingter Isolation
verursacht.
Für uns ist es normal geworden, verärgert zu sein, gewalttätig, verwirrt, nicht
die richtigen Reaktionen auf andere zu zeigen. Denn wir leben auf engem
Raum miteinander und das Leben beinhaltet auch Hass. Psychologisch
gesehen: eine Geisteskrankheit wie Paranoia, Schizophrenie, nervöse Krise,
Depression … eine lange Liste.
Die meisten psychotherapeutischen Patienten und Nichtpatienten – da die
Neurose eher die „Norm“ als die Ausnahme ist – haben ein Problem damit,
der Realität des Todes klar und gerade ins Auge zu sehen, ob sie nun jung
sind oder alt. „Wenn wir mit dem Wissen leben können, dass der Tod uns
ständig gegenwärtig ist, dann kann der Tod unser `Verbündeter` werden,
noch immer furchterregend, doch ständig eine Quelle weiser Ratschläge.“
(Carlos Castaneda) Mit dem ständigen Bewusstsein der Begrenzung
unserer Zeit voll zu leben und zu lieben, können wir uns immer den
bestmöglichen Gebrauch von ihr machen. Wenn wir aber vor dem Tod
zurückschrecken, vor der sich ewig wandelnden Natur der Dinge, dann scheuen wir auch zwangsläufig vor dem Leben zurück und erkranken daran. „Die Neurose ist ein Ersatz für legitimes Leiden.“ (C. G. Jung) „Die Neigung, Problemen und den ihnen innewohnenden gefühlsmäßigen Leiden auszuweichen, ist die Ursache aller menschlichen seelischen Krankheiten.“ ( Scott Peck) Also nicht Leiden, sondern das ständige Vermeiden
von Leiden macht uns krank. Neue Kliniken und „kleine Helfer“ bekämpfen nie die wirklichen Ursachen.
„Doch wer in unserer Zivilisation als sozial angepasst gelten will, übt sich darin, Leiden zu verstecken. Zugrunde liegt die Phantasie, das Leiden in Schach halten zu können, wenn man es sich und den anderen nicht mehr zeigt. So etwas kann nur funktionieren in einer hysterischen Gesellschaft, in der vorwiegend das gilt, was äußerlich zu sehen ist. Man einigt
sich gemeinsam darauf, welches Spiel zu spielen ist. Man spielt mit und reagiert
bei anderen auch nur darauf, was sie spielen. Die Vorschrift lautet, Munterkeit
und Zuversicht zu mimen. Man erscheint nur mit lächelndem Gesicht und sieht um
sich herum auch lediglich strahlende Mitspieler…
Es verliert an Bedeutung, wie man wirklich ist. Entscheidend ist, wie man
ankommt, wie man sich verkauft, was einem „abgenommen“ wird. Wer erfolgreich
sein will, darf nicht leiden. Denn wer kaputt ist, mit dem kann man nichts mehr
anfangen.“ (Horst Eberhard Richter)
Verinnerlichungsprozesse bewirken, dass man am Ende so sein will, wie man sein soll.

Wie könnte da eine Person, die dich nicht kennt, dein Leben in Ordnung bringen, bei den normalen Reaktionen helfen, wenn du mal in Rage gerätst? Sie kann dich nur anschauen, aufputschen oder in Randgruppen abstempeln. Die Ordnung, die vorgibt sie vermeiden zu wollen, braucht Opfer, wie keine andere. Dort sei das Leiden, nicht bei einem selbst. Dort sei die Schuld, Unmoral, die Gier, die Rückständigkeit… In den Randgruppen sammelt sich, was wir verdrängen. Dadurch, dass die Gesellschaft versucht, Opfer zu vermeiden,
produziert sie sie. Wenn eine Person jedoch ein anderes Leben braucht, versuchen gewisse Zentren sie mit ihrem Psychoscheiß wieder in „das normale Leben“ zu integrieren, in diese kranke Gesellschaft, die sie ja krank gemacht hat und schaffen so Randgruppen wie Obdachlose, Zigeuner, Freaks, Besetzter, Menschen verschiedener Hautfarben, Geschlechter, sexueller Orientierungen und Identitäten und wer auch immer nicht ist
wie sie. Konzepte wie „Integration“, „Inklusion“, „Partizipation“, „Bürgerbeteiligung“, „Teilhabe“ und sogar Antidiskriminierung… bestätigen das Zentrum. Es geht uns aber darum, die Peripherie zu stärken und nicht primär darum, ins Zentrum vorzudringen.
Die Konstruktion „der Anderen“ ist lediglich der Versuch, sich als widerspruchsfreies Selbstbild zu konstituieren. „Die Front zwischen Angepassten und Aussteigern ist wichtiger Schauplatz, auf dem die aktuelle gesellschaftliche Konfliktlage sich darstellt. Bestehen Chancen, dass die verdrängte und die verdrängende Seite sich miteinander auseinandersetzen und zu einer gemeinsamen Bearbeitung ihrer gemeinsamen Probleme zurückfinden, statt sich weiter voneinander zu isolieren? Eine Illusion, denn das zentrale Problem ist die bankrotte Moral der bürgerlichen Gesellschaft. Wer will sich schon den Bankrott nachsagen lassen, denn im Unterschied zum Konkurs ist er selbst-verschuldet.“ (unbekannt)
Dazu versucht das System, wie eigentlich jedes politische System, Emotionen zu
unterdrücken und nette Psychoscheiß-Arschlöcher machen ein nettes Geschäft,
während viele Menschen wegen politischen Idealen in Gefängnissen sitzen, wegen
einer anderen Sicht der Dinge Psychiatrien füllen oder zu Hause unter legalen
Drogen stehen … alles in Ordnung?
„Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.“ (Gotthold Ephraim Lessing) Aggression ist nur auf der Welt, weil es Unrecht gibt. Dass ein Mensch Wut empfindet, ist der Beweis, das er ein Gespür für Gerechtigkeit hat und genug Würde, sich nicht mehr alles gefallen zulassen. Das Problem an der Agression von Menschen ist, daß wir uns mit allem möglichen Dingen und Ideen identifizieren. Es sind diese Anhaftungen, die wir loslassen müssen. Letztendlich kann niemand geheilt werden, wer nicht schon einen Teil der Heilung in sich trägt.

Liebe oder Sexismus
Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen ist Zögern.
(Franz Kafka)

Freie Liebe ist ein Ideal. Leider ist es ein Ideal, zu dem (noch) nur sehr wenige
fähig sind. Der Weg und der Wille zum Weg sind dabei mehr Ziel als sonst
sprichwörtlich vermittelt. Hier können wir leider nicht mehr nur über die Wirtschaft herfallen, auch wenn im Kapitalismus die Frau trotz der ideologischen Bindung an den Bereich der Reproduktionsarbeit immer auch als Reservearbeitskraft herhalten musste und bis heute mehrheitlich die unbezahlte Arbeit im Haushalt und mit dem Nachwuchs leistet. (und somit auch meistens in die finanzielle Abhängigkeit von „ihrem“ Typen gerät). Gut, dort hat sich in letzter Zeit zwar etwas geändert, aber nicht wirklich umfassend. Was das Einbeziehen der Frauen in die Marktwirtschaft
betrifft, stieg 2000 die Erwerbsquote von Frauen auf 57,7%, 201 2 auf 68,0
%.Dieser scheinbare Erfolg ist der Expansion des unsicheren
Dienstleistungssektor zuzuschreiben, in dem 80% der Frauen arbeiten.
Dienen also?! Nur 22,5% Führungspositionen sind 201 6 mit Frauen besetzt.
(Führungspositionen für alle!).

Auch wenn die Frauenbewegungen lange dafür gekämpft haben, ist es naiv zu hoffen, das sich mit erhöhter Erwerbstätigkeit die patriarchale Rollenzuschreibung langsam auflöst. Dazu kommt der allgegenwärtige – mal drohende, mal tatsächliche – Backlash, der bereits erkämpfte Errungenschaften immer wieder in Gefahr bringt. Und geändert hat sich trotz allem nichts an einer generellen Benachteiligung im Berufsleben, wie unterschiedliche Gehälter (22% weniger als Männer), Arbeitszeiten
und Arbeitslosenzahlen belegen. Es geht um weit mehr als nur um die Trennung von Produktion und Reproduktion. Weltweit werden Schätzungen nach jährlich bis zu 9 Millionen Frauen Opfer des Frauenhandels. Das ist die Spitze der Ausbeutung der körperlicher Arbeitskraft. Sexismus ist immer noch ein ertragreiches Unterdrückungsmittel. Offiziell haben 40% der Frauen in Deutschland seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Jede siebte ist von sexualisierter Gewalt betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO (die wir sonst kritisieren) bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit.
Die Dunkelziffern sind um einiges höher.
Welche Frau geht schon zur Polizei, wenn sie von ihrem Partner geschlagen oder von einem Kumpel bedrängt wird? Und doch ist es möglich, mit direkten politischen Mitteln, außer nur auf die Frauenquote zu pochen, daran zu ruckeln, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben. So typische Methoden wie
Frauenkampfsport sind zwar altmodisch, aber wirksam. Würde allerdings die
Männerherrschaft nur auf körperlicher wie finanzieller Überlegenheit beruhen, wäre das noch einfach. Ist aber nicht so. Von der Geburt an wird ein Mädchen*
„geschlechtsentsprechend“ dazu erzogen, minderwertig, unterwürfig und schuldig zu sein und dabei noch nett zu lächeln. Seit Generationen wird das so vorgelebt. Wie funktioniert das? Diskriminierende Klischees sind da, um sich als besser darzustellen. Als ein Mittel, Konkurrenz auszutragen. Tatsächlich verfallen wir vor allem dann dem antrainierten/ansozialisierten Rollenverhalten, wenn wir uns unsicher fühlen. Es ist vor allem eine Frage des (Selbst-)Bewusstseins, den vermeintlichen „kleinen Unterschied“ zu übersehen. Viel zu oft wird eine symbiotische Abhängigkeit als „romantisch“, sexistische Witze als „neckisch“ und die Unmöglichkeit, nachts alleine auf die Straße zu gehen als „biologischer Nachteil“ verharmlost.
„Der Mann, der, wenn das tägliche Dahinplätschern zur Normalität geworden ist, gefragt wird, was er vom Leben versteht, richtet sein Auge auf das Geschlecht der Frau, die in ihren Grundrechten und ihrem Lebensraum immer weiter eingeschränkt und an den Rand gedrängt wird.“ (Abdullah Öcalan) Auch eine Frage der Aufklärung, Sexismus abzubauen? Es handelt sich schließlich nicht um ein bewusstes Rollenspiel. Obwohl GeschlechterRollen, -Zuschreibungen und Kategorisierungen Konstrukte sind, sind sie deswegen
nicht weniger real und wirkmächtig. Wir können die Diskriminierung auf Grund von Geschlechtskategorien genausowenig ignorieren wie die Diskriminierung auf Grund von einem Nicht-in-die-Kategorien-passen. Die soziale Kategorie Geschlecht beschreibt in erster Linie ein Herrschaftsverhältnis und tritt u.a. in Verschränkung mit race und Klasse besonders als Unterdrückungsmechanismus zu Tage. Wir müssen alles tun, um Klassifizierungen zu vermeiden und den Spagat schaffen, sie immer dann zu und anzuerkennen, wenn es nötig ist. Wir sind nicht gleich, aber gleichwertig. Ja, es ist sogar viel, das zwischen uns steht. Sexismusdebatten müssen nicht immer emotionsgeladen sein, trotzdem haben wir allein hier Statistiken angeführt. Wer Genderstudies den Vorwurf einer Ideologie macht tut dies
nicht aus Kenntnis um Wissenschaftlichkeit, sondern aus der Ideologie des Antifeminismus heraus. Es gibt keine unparteiische Wissenschaft. Geschlechterforschung befördert unabdingbare Erkenntnisse für einen gerechteren Gesellschafts-Entwurf. Wer ist nicht schon vom „anderen Geschlecht“ enttäuscht und verletzt worden? Oder sind wir vielleicht einfach „nur“ von einem anderen Menschen verletzt worden?
Dieses Thema ist ein gesellschaftliches und politisches Tabu. Da es offensichtlich ja auch um Sex ginge. Nicht unbedingt. Nur wenn mensch dazu neigt, Menschen nach ihren „Funktionen“ zu beurteilen. Wir und unsere
Begehren wollen nicht weiter eine Welt von romantischen Albernheiten ertragen, die uns immer wieder zu den vermeintlichen Naturwerten zurückführen will, zur Hierarchie, zu den Rollen, den sozialen Systemen, der Arbeit, der Entfremdung. Das ist unsere Revolution: Die anderen Geschlechter in sich zu entdecken oder vieleicht sogar keins und zu leben und die Geschlechter zu Gunsten der Einheit und der Differenzen zu verschmelzen. Es ist unser Begehren, das uns zum Zentrum der Revolution führt: Wir werden uns in einer völlig künstlerischen Art ein Model von Mann und Frau und Beziehung errichten. Mensch kann Gefühle und Beziehungen erfinden, die Literatur erfindet neue Wahrnehmungsformen, durch die Musik und das Kino haben wir fantastische Ausgangsbedingungen für neue Schöpfungsmöglichkeiten. In diesem Sinne sind wir viel weiter innerhalb des
maschinellen Wertesystems, als wir uns das vorstellen können: Die Menschen sind die wahren Schöpfer*innen.
Unsere Forderung lautet, das Unbewusste zu produzieren („Wo ich war, soll Es werden“-Freud) und eine neue
Sexualität zu erfinden. „Wir müssen eine molekulare weibliche Politik
entwickeln, die in die Konfrontationen hinein schlüpft und unter ihnen durch sie
durchgeht. Sexualität ist die Produktion von Tausenden von Geschlechtern, die
lauter unkontrollierbare Arten von Werden sind. Sie vollzieht sich durch das
Frau-Werden des Mannes, das Mann-Werden der Frau und das Tier-Werden
des Menschen. Die Arten des Tier-Werden zeugen vor allem von einem
Vermögen, dessen Realität in einem selber liegt, in dem, was uns plötzlich
ergreift und uns werden lässt, eine Nachbarschaft, eine Ununterscheidbarkeit,
die aus dem Tier etwas Gemeinsames herauslöst, das mehr ist als jede
Domestizierung, Benutzung oder Imitation: Das Biest.“ (frei nach Deleuze/Guattari)
„Freie Liebe – das Wort ist nicht gut gewählt, denn es ist ein Widerspruch in sich selbst. Liebe ist immer frei, da man sie nicht erzwingen kann. Wo die Freiheit in der Liebe aufhört, dort beginnt die Prostitution.“ (Milly Witkop)
„Es gibt keine Kastration“ (Jacques Lacan)! Konfrontiere dich mit allen möglichen und unmöglichen neuen Situationen!

Justiz §

„Wenn Recht zu Unrecht wird,
wird Widerstand zur Pflicht.“
Bertold Brecht

„Das höchste Gut ist wie das Wasser. Es nützt jedem, aber es streitet sich mit niemandem.“ Loa Tse
Zu den moralischen Instanzen zählt jene der Justiz, deren Pfeiler Gerechtigkeit sein soll. Daher sollte ein Gericht als dritte, objektive Partei versuchen, die Differenz, die zwischen zwei andere gekommen ist, auszugleichen, anstatt eine Gewinnerin zu ernennen. Wir fordern fallspezifischere Urteile, keine Pauschalurteile, keine Strafen, die der öffentlichen Abschreckung
dienen; keine Bußgeldstrafen (da Geld kein Wert für soziale Verantwortung ist); keine Schauprozesse und Alternativen zu Freiheitsstrafen. Die bergpartei ist für eine Vielzahl außergerichtlicher Einigungen offen. Deutschland hat eine verhältnismäßig freizügige und pingelig beachtete Rechtsgrundlage, welche die
Schwächeren schützen sollte. Die Grund- und Menschenrechte zeugen noch von den fortschrittlichen Überbleibseln vergangener Revolutionen. Doch ein Band an Einschränkungen und Ergänzungen machten die Haken daran und von den überschwänglich formulierten Phrasen blieb nur wenig übrig. Mit wirklicher Gerechtigkeit anstelle der heutigen Justiz wäre die herrschende Klasse nicht in der Lage ungestraft so viele Menschen an den Rand der Illegalität
zu treiben. „Der größte Feind des Rechtes ist das Vorrecht.“ (Marie von Ebner-Eschenbach) Das müssen wir denen nehmen, die damit Missbrauch treiben.
„Es gibt zwei Klassen von Menschen: die Gerechten und die Ungerechten. Die Einteilung wird von den Gerechten vorgenommen.“ Oscar Wilde
„Eigentum verpflichtet“ (Art. 1 53, Weimarer Verfassung)? Das ist unserer Grundkonflikt mit dem heutigen Rechtsstaat: Denn „Eigentum ist Diebstahl“! (Pierre-Joseph Proudhon) Wenn jemand mehr hat, als er braucht,
hat er es den Bedürftigen geklaut.

Sicherheit oder Rassismus

Identifizieren Sie sich!

Vor langer Zeit steckten einmal Männer Grenzen in die – doch so runde – Erde. Vielleicht um ihre Herden
einzuzäunen. Ein Gebiet heißt Deutschland. So ein Quatsch! Wir alle sind nur Gäste auf dieser Erde. 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Unterdrückung, Hunger und Krieg. Der winzige Bruchteil der
Flüchtenden, der an unsere Grenzen kommt, wird hier wie Kriminelle behandelt. Tausende werden jährlich aus der Bundesrepublik in Folterstaaten abgeschoben, wo Gewalt, sexistische, rassistische, homophobe und politische Übergriffe auf sie warten. In den Tod deportiert. Unermüdlich freie Bewegung von Kapital und Waren erfordert, dass die freie Bewegung von Menschen über Grenzen hinweg als krimineller Akt gilt.
„Die Globalisierung, der größte Betrug der Geschichte der Menschheit, besitzt nun nicht einmal den Anstand, zu versuchen, sich zu rechtfertigen. Tausende Jahre nach der Erfindung der Worte, und damit des vernünftigen Argumentes, wird die entscheidende Position nun wieder von der Gewalt beherrscht.“ (Subcomandante Marcos)
Bewohner*innen Deutschlandshaben über 75 Jahre relativ friedlich auf diesem
Kontinent gelebt und das war auch mal schön. Und das soll auch so bleiben. Bevor sich in neue außenpolitische Abendteuer gestürzt wird sollte nun endlich die ernsthafte Aufarbeitung der Ursachen der Naziherrschaft beginnen. Wie wehrhaft ist diese Demokratie gegen den Faschismus? Die Abschottung Europas mit jährlich Tausenden Toten allein im Mittelmeer (3.771 in 201 5 nach UN), trotz vorgelagerter Grenzregime, und die Zustände in den Lagern geben uns zu Denken, dass mit den allgemeinen Menschenrechten des liberalen
Rechtsstaates in Wirklichkeit nur Bürgerrechte gemeint sind.
„Das Lager und nicht der Staat ist das biopolitische Paradigma des Abendlandes“ (Giorgio Agamben)
Das Selbstverständnis der bergpartei, die überpartei als Teil des internationalen Widerstandes macht die Politik anderer Länder so interessant. Nur in einer Weltrevolution kann unsere Bewegung letztendlich Erfolg haben.
Deutschland ist ein Entwicklungsland in Sachen Widerstand.
Daher ist nur zu hoffen, das unsere imperialistische Ruhe und Ordnung von woanders her erschüttert wird.
„Eine neue Horde von Nomaden, eine neue Rasse von Barbaren wird kommen und ins Imperium einfallen oder es evakuieren.“ (Hardt und Negri) Der zündende Funke aber kann das Zusammenleben in Deutschland sein.
Die Ansicht, alles ohne Gewalt lösen zu können, ist wahrscheinlich ein Vorgriff in der Entwicklung. Doch seien wir anspruchsvoll!!! Der ewige Frieden ist möglich! Wir glauben nicht, dass wir „junge Menschen, die leben
wollen, dem zerstörerischen und selbstzerstörerischen Drang, der die Menschheit befallen zu haben scheint, ins Netz gehen sollten.“ (Christa Wolf)
Bundeswehr abschaffen, Nato auflösen! Wir lösen Konflikte auf
diplomatischem Weg. Auch Drohungen, Sanktionen und
Embargos sind keine legitimen, politischen Mittel. Die Anmaßung
gewisser westlicher Großmächte, die Ressourcen der ganzen
Welt für sich zu beanspruchen, ist absurd. „Wir“ müssen „hier“
auf sogenannte „vitale deutsche Interessen“
(Verteidigungsminister Rühe) verzichten können, um auf der Welt
Frieden zu schaffen. Die Bundeswehr hat sich „die
Aufrechterhaltung des freien Welthandels und den ungehinderten
Zugang zu Märkten und Rohstoffen“ (ebenda) zur Aufgabe
gemacht und rüstet sich zu einer Interventionsarmee auf. Das ist
absolut widerrechtlich, selbst nach bürgerlichen Grundgesetz und Völkerrecht. Wir in Deutschland haben durch
geografisches Glück keine feindliche Invasion zu befürchten, unsere Sicherheit ist gewährleistet. Eventueller
Bedrohung von Außen könnte nur durch inneren Zusammenhalt entgegengetreten werden. Denn Menschen,
die gelernt haben, für sich zu sorgen, können nicht mehr beherrscht werden.

Die BRD, Amerika, England, Frankreich und die EU führen
Kriege gegen sich selbst und gegen selbstgeschaffene Teufel.
Jedes Land könnte das nächste Opfer sein. Die Vereinten
Nationen sind unfähig, das zu erkennen und streiten sich darum,
welcher Gerichtshof zuständig ist. Dabei ist offensichtlich,
welche Länder heute den Weltfrieden stören. Ya Basta! Es
reicht!
Besser, wir unterstützen den aufflammenden weltweiten
Widerstand, vor allem in Lateinamerika und den arabischen
Ländern. Schluss mit all der scheinheiligen Entwicklungshilfe
und befreien wir Afrika von Schuldensklaverei, Landraub und
Resourcenplünderung! Nochmal zur Definition: Gerechtigkeit heißt nicht, das alle so viel bekommen, wie sie
geben, sondern dass es einen Ausgleich von Gütern und Chancen gibt. Dieser Friedhofsfrieden der
Unterdrückung ist kein harmonischer Frieden.
Ohne Gerechtigkeit wird es keinen wirklichen Frieden geben, aber ohne Frieden auch keine Gerechtigkeit. „Es
gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg.“
(Abraham Johannes Muste)
Innere Sicherheit ist ein subjektives Gefühl, das etwas mit Grundvertrauen
zu tun hat, das Polizei und Militär nicht geben können. Geborgenheit in der
Umgebung ist nur dann möglich, wenn wir die Harmonie mit unserer
Umwelt in uns selber finden. Wir sehen in Sicherheitsparanoia und Krieg
unser zerrissenes Inneres widergespiegelt. Eine Projektion nach, keine
Bedrohung von Außen. Mit antiislamischen Rassismus, ob er als
Feminismus oder Religionskritik auftritt, wird das grandiose Scheitern der
Ideale von Aufklärung und Reformation vertuscht. Die Behauptung,
zivilisierter als Nicht-Weiße zu sein überspielt nur die Katastrophe von 500
Jahren und andauernden europäischen Kolonialismus. So schwach bisher
Befreiungsbewegungen auch waren: Wir kommen aus dem Dialogischen
nicht raus.
„Wir“ gegen „Sie“ – ist ein ewiges Paradox. „Die Berliner Mauer ist weg, die
Sowjetunion ist weg und die Apartheid in Südafrika ist auch weg. Wozu
brauchen wir denn noch die ganzen Waffen?“ (Bourama Badji)
Gegen Terroristen mit Teppichmessern?
Wer nicht für uns ist, muss nicht gleich gegen uns sein.
Wir kennen keine Feinde, bauen keine Feindbilder auf, sondern lösen mit Verständnis. OK, einen Feind: Die
Angst, auf die das System aufbaut. Von der Angst leben die größten Industriezweige wie Waffen-, Drogen-,
Gefängnis- und selbst Medien- Industrie, welche die Vergänglichkeit des Momentes nicht ertragen.
Ablenkungsindustrie! Bauindustrie: Wozu die dicken Wände? Wogegen Zäune? Türen? Gut, um ehrlich zu
sein, haben wir alle Angst. Schlimmer jedoch als die Angst an sich, ist die Angst vor
der Angst. Wenn du in der Situation bist, gegen sie zu kämpfen. Sie ist die Diktatur in
unseren Köpfen, der Polizist, der verbietet, die Meinung der vermeintlichen Mehrheit,
die in Wirklichkeit nur die Deutungshoheit einer kleinen Elite ist …
Wir sehen für die Bewohner*innen dieser Breiten eine Riesenbedrohung durch die
Überwachung und das Waffenmonopol Staat. Deutschland ist zwar eines der
sichersten Länder der Welt. Aber um welchen Preis? Systematische, subtile,
strukturelle Gewalt ist ein wichtiger Pfeiler der kapitalistischen Junta in Deutschland.
„Der Großteil der Polizisten ist nur dazu da, uns zu schützen. Aber wer schützt uns
dann vor dem Rest?“ (Mathieu Kassovitz) Willkürlicher Machtmissbrauch ist bei
physischer Überlegenheit – der einfachsten Art von Macht – schon vorprogrammiert.
Damit wir selber Verantwortung über unsere Sicherheit übernehmen: Waffen an alle
oder besser an keinen! Denn zur Zeit ist Sicherheit unsere größte Gefahr.
„Das Chaos wird die Ordnung besiegen, denn es ist besser organisiert.“ Terry
Pratchett

Wirtschaft

„Ein jeder arbeite nach seinen Bedürfnissen
und nehme nach seinen Möglichkeiten.“
(anarchistische Umkehrung des marxistischen Leistungsprinzip)

„Fast jeder Gegenstand, den wir heute benutzen, kann aus Kunststoff hergestellt werden. Die Produktion wird in
großen Fabriken von Maschinenaufseher*innen überwacht, deren wichtigste Fähigkeit es ist, ein Leben
intensivster Langeweile zu bewältigen. Solcherart angefertigte Gegenstände erfüllen ihren Zweck fast perfekt.
Doch sie sind hässlich. Denn die Schönheit eines Produktes beruht auf der Kombination von natürlichen
Materialstrukturen mit dem einzigartigen Können und der liebevollen Bearbeitung durch eine*n Handwerker*in.“
(nach John Seymour)
Wenn alles, was wir machen aber hässlich und langweilig ist, was verdammt ist dann überhaupt das Ziel des
Handelns? Gab es wirklich einmal so etwas wie „Lebensqualität“? Könnte es so etwas wieder geben?
Das Argument, wir hätten es der Massenproduktion zu verdanken, dass dieser angeblich so überbevölkerte
Planet so viele Dinge besitzt, wirft zwei Fragen auf:
1 . Brauchen wir denn wirklich so viele Dinge, wie wir denken? Brauchen wir den ganzen Schrott, der in den
Konsumtempeln lauert? Der macht nicht glücklich und bringt uns nicht dem näher, was man als sinnvolles Leben
bezeichnet. 90% werden bald auf der Müllkippe landen und damit beweisen, dass ihre Herstellung überflüssig
war.
2. Ist es unbedingt nötig, in Massenproduktion hergestellte Sachen zu kaufen, wo doch in Deutschland die
Bevölkerung in zunehmenden Maße arbeitslos ist?
Das Problem der Arbeitslosigkeit ist also keines der Armut, sondern der Sinnlosigkeit. Denn um ehrlich zu sein,
gibt es ja genug zu tun. Oder nicht? Arbeit aber als Selbstzweck oder notwendiges Übel zu betrachten führt
unhinterfragt dazu, die Krise der Arbeitsgesellschaft auf den Mangel an Arbeitsplätzen und nicht etwa auf das
Arbeitsverhältnis an sich zurückzuführen. Der Arbeitsbegriff, dessen INHALT industrielle Tätigkeit ist, der FORM
nach Erwerbsarbeit nach Regeln des so genannten Normalarbeitsverhältnisses, dessen WERT in Produktivität
liegt und dessen SINN auf permanentes Anheben des Lebensstandards fixiert ist, führt in eine Sackgasse.
„Dieses Gebilde, das
wir Markt nennen, ist zwischen Produzenten und Konsumenten gewachsen wie ein irres Geflecht. Seine Wurzeln
liegen im Prinzip des Tausches nach Gleichwertigkeit. Der Gedanke, alle Dinge und Tätigkeiten, die unser Leben
bestimmen, ließen sich in Geld ausdrücken, d.h. sich in ein messbares, scheinbar objektives Verhältnis
zueinander setzen, ist genauso wahnwitzig, wie seine Folge, nun (fast) die ganze Welt in ein Arbeitslager
verwandelt zu haben.“ (Flyer des Umsonstladen Brunnenstr.1 83)
Mensch kann keine Gesellschaft entwerfen, die sich lediglich auf Produktions- und Wertverhältnisse und auf
Marktbeziehungen gründet.
Es gibt im Kapitalismus keine Produktion von Wünschen, Gebrauchswerten und Marktwerten, die nicht mit der
technischen Produktion verknüpft wäre (Übercodierung). Selbst einen Mann oder eine Frau begehrt man nie als
natürliches Modell, sondern immer in Interaktion mit kulturellen Modellen, wie sie von Internet, Fernsehen,
Presse, CD oder Kino verbreitet werden. Die Produktion muss also nicht nur Gebrauchswerte integrieren (wie die
ökologischen und sozialen Überlegungen am Anfang des Kapitels fordern), sondern die Produktion muss auch
Wunschwerte integrieren. Unsere Wünsche werden Produkte. „Dem Wunsch aber fehlt es an nichts, auch nicht
an seinem Gegenstand.
Vielmehr ist es das Subjekt, das den Wunsch verfehlt, oder diesem fehlt ein feststehendes Subjekt; denn ein
solches existiert nur kraft Repression“ (Deleuze und Guattari) Eine besondere Existenzform, die psychologische
Realität genannt werden kann, gibt es dabei nicht. (gegen Freud) Das objektive Sein des Wunsches ist das Reale
an sich. Gier ist der Versuch, die eigene Unvollkommenheit auszugleichen. Nicht Mangel, sondern Angst vor
Mangel ist der Motor zu neuen Anschaffungen wie zur Maloche.
Dabei gibt es so viel bekloppte Jobs.
Aber angekurbeltes Wachstum fragt nicht danach, ob es sinnvoll
ist. Und so gibt es Phänomene, wie Produkte, die absichtlich mit
Fehlern ausgestattet sind, damit sie nach Ablauf der Garantie
schnell kaputt gehen oder solche, die sogar jeglichen Zweck
entsagen, wie Nahrung, die nicht nahrhaft ist.
Oder Projekte, die eigentlich nicht so nötig sind, sondern nur „auf
Pump“ das Wachstum ankurbeln sollen, wie Autobahnen …
Flughäfen, Stadtschlösser…
In den Städten bedienst-leisten wir uns alle nur noch gegenseitig
zu. Schnell erfand man viele neue Produkte und Services für all die
Menschen. Nun erfindet man neue Menschen, denen suggeriert
wird, welche Produkte sie noch bräuchten.
Denn die Zins- und Marktwirtschaft muss – um zu überleben – im
Wachstum sein. Ständig!
Doch langsam sind alle (materiellen!) Bedürfnisse und
Scheinbedürfnisse (ersatz-) befriedigt, der Markt übersättigt, die
Straßen planiert, die Autos getankt. Überproduktion wird zu einem
ernsten Problem heute. Denn „Autos kaufen keine Autos“. (Henry
Ford) „Wir“ haben heute weitaus mehr Autos als Führerscheine.
Wenn es so weitergeht, wie es weiter geht, hat das System noch eine Chance durch das, was in der Wirtschaft
„schöpferische Zerstörung“ genannt wird. Nämlich Krieg. Auf Krieg beruht unsere Zivilisation.
Krieg vernichtet überschüssig angehäuftes Kapital. Krieg schafft neuen
Bedarf. Nach Krieg fängt alles wieder von vorne an. Das ist die Stärke des
Kapitalismus und auch sein Vorsprung vor dem Realsozialismus gewesen:
Gerade aus Zerstörung und Tod noch Profit zu schlagen. Und er bedient
sich dieses Mittels immer öfter. Die Soldaten an der Front haben nicht
mehr Schuld an einem Krieg als jede*r Einzelne von uns.
Die Globalisierung zeigt: Alles hängt zusammen. In einem natürlichen
System jedoch wirkt ein Wachstum immer auf seine Ursache zurück. Ein
Beispiel also, was „Natur“ bedeutet: Jagen Wölfe Hasen, können sie sich
vermehren, bis die Hasen weniger werden und dann auch wieder die Wölfe.
So können die Hasen sich wieder regenerieren … Aber unser Finanzsystem
ist leider nicht natürlich. Das einzige Gesetz, dem Wachstum unterworfen ist,
ist das Wachstum selbst. Das Problem ist nicht, dass Kapitalist*innen keine
natürlichen Feinde haben, sondern der Druck nach ständigem Wachstum,
der hauptsächlich von den alles verschlingenden Zinsen ausgeht, die getilgt
werden wollen.
Jede*r, welche*r weniger als 35.000 € gut angelegt hat, gehört zu den Verlierer*innen dieses Spiels, da mensch über Mieten ca. 70% Zinsen und beim Einkaufen am Preis 30-40% Zinsen mitbezahlt. Also mehr, als man an Zinsen verdienen kann. Wenn heute alle Schuldner*innen ihr Geld zurück wollten, wäre das System schon am Ende, da mit Schulden und Hypotheken spekuliert wird. Geld ersetzt zwar Zuneigung, Dank, Anerkennung und alle Arten sozialer Verantwortung. Gedacht war es aber nur als Tauschmittel und nicht als Aufbewahrungsmittel (das Aufblühen und Verfallen ganzer Kulturen hängt mit diesem Grundsatz zusammen). Eigentlich ja keine schlechte Idee. Aber: Fast alle Dinge auf der Erde verlieren mit der Weile an Wert. Anders als die Dinge, dessen Wert es darstellen soll, ist Geld von diesem Gesetz der Zeit ausgeschlossen. Dadurch ist man nicht gezwungen, es zu gebrauchen und kann Menschen, die keines haben, beim Leihen Zinsen zahlen lassen oder drückt die Preise, wenn sie etwas verkaufen wollen. In keiner Form ist Habgier so verlockend und so einfach mit Notwendigkeit zu rechtfertigen. Es verspricht uns Unsterblichkeit. Geld ist zwar Zeit. Geld ist auch Macht. Geld hat aber keinen materiellen Gegenwert in der Realität. Devisen sind fiktiv. Die Währung eines Landes hat nichts mit seiner Volkswirtschaft zu tun. Geld ist mit nichts zu vergleichen. Geld wird einfach nur gedruckt. Es erhält seinen Wert nur dadurch, das wir es benutzen. Wie so viele Dinge, die wir stillschweigend akzeptieren, nur weil
wir keine Alternative kennen und nicht wissen, dass wir eine Wahl haben.
Was tun? Man könnte unser Raumschiff Erde mit einem Schiff vergleichen, das ein Leck im Bauch hat, durch
welches ständig Wasser eindringt. Auf
unterschiedlichste Weise versucht die Besatzung,
sofern sie die Gefahr überhaupt wahrnimmt, ihr zu
begegnen. Die Einen (der rechte Flügel, vermutlich in
Kenntnis der Zusammenhänge) empfehlen,die Fahrt
zu beschleunigen (Wirtschaftswachstum ankurbeln,
Mensch und Natur weiter ausbeuten) die anderen (die
reformistischen Linken, mitfühlend, vermutlich
unwissend der Zusammenhänge) fordern anklagend,
möglichst viel Wasser aus dem Schiff zu schöpfen
(Notlinderung). Ganz einfach das Loch zu stopfen –
eine vom Kapitalismus befreite Wirtschaft – fordern
nur wenige, aber seit Jahrhunderten beharrlich.
Es gibt nur diese 3 Wege:
-Entweder mit hohem Wachstum die ökologische Krise
-Sonst erleben wir mit niedrigem Wachstum die soziale Krise
-Oder aber wir ändern etwas grundsätzlich am Zins- und Geldsystem.
Es ist nicht nur absolut angesagt, jegliche Art Zinsen abzuschaffen, wo es auch andere Druckmittel gibt, um die Zurückzahlung konstruktiver Kredite zu erzwingen. Weil schnell umlaufendes Geld dieselbe wirtschaftliche Positiv-Wirkung hat, wie eine doppelt so große Menge, die nur halb so schnell umläuft, müsste Geld also auch altern, an Wert verlieren, um einen anderen Anreiz als
Zinsen dazu zu bieten, es schnell zu gebrauchen. Hier eine noch bessere Kritik: Person „A“ stellt etwas her, das den Bedürfnissen von Person „B“ dient. „B“ erhält dieses Gut allerdings nur, wenn sie „A“ etwas Gleichwertiges dafür gibt. (Wobei „Gleich“ ja die Frage ist) Und genau darauf kommt es „A“ an. Ihr dient ihr eigenes Produkt nämlich nur als Mittel, mit dem sie es auf das
Produkt von „B“ abgesehen hat. Aber nicht nur das eigene Produkt wird zu einem bloßen Mittel herabgesetzt. Dasselbe passiert auch mit den Bedürfnissen des jeweiligen Tauschpartners (vom Handel ganz zu schweigen). Zum Mittel machen heißt versachlichen. Da fängt`s schon an, seinen Nächsten herabzusetzen, die Welt nur zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zu sehen. Anders aber ist es bei Geschenken. Die Freude der Befriedigung – ein wilder Instinkt – ist ungezügelt vom Ego nämlich unvergleichbar intensiver als der zahme Instinkt der Befriedigung an sich. Ihr Grund ist, der Feind
geworden zu sein, der uns von den vielen Möglichkeiten abhält, sich zu freuen.
Das heißt, damit alles besser zu genießen ist, müssen wir das Verhältnis wiederherstellen. Wir sollten die Menschen kennen, für die wir arbeiten. Andersherum können wir nur vertrauen, wovon wir wissen, dass es mit
Freude gemacht worden ist. Mit dem, was wir alltäglich tun – Umwandeln durch produzieren und konsumieren.
Also: Produzieren für die fundamentalen Bedürfnisse der Menschen! …und nicht für die Geldbeutel Weniger.
So verrückt das alles klingt, führt kein gerechter Weg am Enteignen von Betrieben zu kollektiver Verwaltung vorbei. Es ist nicht die Zeit zu überlegen, wer wie viel bekommt, aber vielleicht: wie viel ist eigentlich genug? …
und wir müssen erkennen: Wohlstand ist nie gerecht und nicht demokratisierbar. Der Kampf um den Sozialstaat ist Wohlstand.
Wir haben eigentlich garkeinen Bock mehr, Subventions-Junkies zu sein. Wir wollen nur das machen, was Spaß macht, was reine Selbstverwirklichung ist, mit der man sich besten Gewissens identifizieren kann. Dafür muss
sogar die eintönige Arbeitsteilung abgelöst werden. Wo die Zuständigkeit von Auftraggeber und Beauftragten getrennt ist, kann doch von keinem gemeinschaftlichen Nutzen die Rede sein.
Gehen wir davon aus, das System ist nur konstruiert! Wir wollen der Windstoß sein, der die Fassade zum Fallen bringt, die Eigentumsverhältnisse kippen, um dann die Güter der Welt gerecht neu zu verteilen, den konkreten
Bedürfnissen der Menschen entsprechend. Die berechtigte Hoffnung auf Wasser, Nahrung und sinnvolle Arbeit ist ein Gastrecht auf dieser Erde.
Niemand soll mehr durch diesen ökonomischen Weltkrieg gegen die Armen verhungern. Grundnahrungsmittel sollen aus vergemeinschafteten Betreiben kommen. Aber auch keine direkte Staats-Plan-Wirtschaft. Wir wollen uns, als Alternative zur Börse, für den
Aufbau regionaler bis überregionaler Tauschringe
einsetzen und für solidarische kommunale
Subsistenzwirtschaft, die weder Geld, noch
Wachstum noch Überproduktion benötigt.
„Es kann nur noch ein Abenteuer geben: Die
Überwindung der Marktwirtschaft jenseits der alten
staatssozialistischen Ideen. Danach mag eine
andere Geschichte beginnen.“ (Holger Fröhner)
Es geht auch anders!
…wenn wieder „Soziale und ökologische Standards“ die Wirtschaft einschränken und das Gewissen in das
Berufsleben zurückkehrt. Nicht nur das Gewissen der sogenannten 3. Welt gegenüber, die versklavt ist und ihrer
Würde und Kultur beraubt, sondern auch uns selbst gegenüber. Da auch wir leiden, da wir uns durch den
falschen Trost vergänglicher Freuden täuschen an unserem Überfluss.
Europa muss erkennen, dass es seit Jahrhunderten über seine Verhältnisse gelebt hat. „Unsere“ Erwartungen
übersteigen unsere Leistungen. Immer noch bildet sich die Mehrheit der Deutschen ein, niemandem etwas
weggenommen zu haben und für alles hart gearbeitet zu haben, ohne dabei zu schauen, wo und zu welchen
Konditionen unser Luxus, „unser Wirtschaftswunder“ entstanden ist. Der scheinbare Erfolg der Weltwirtschaft
führte zur totalen Selbsttäuschung. Wir Menschen müssen uns neu einschätzen und eigenes Verhalten dann auf
die natürlichen Prozesse umstellen, von denen wir alle abhängen. Das ist der entscheidende Punkt der
zukünftigen Entwicklung der Menschheit. Kommt Einsicht oder Versagen? Noch wird verbissen auf die
Ersatzbefriedigung bestanden.
Auch wenn die Masse noch nicht bereit ist, das einzusehen: Die Wüste kommt. Und spätestens, wenn die
Ressourcen knapp werden, müssen wir uns auf die Suche nach einen anderen „Way of Live“ begeben.
Das voraussehend, haben wir uns Gedanken gemacht und viel geträumt, wie der aussehen wird und wie bis
dahin das Schlimmste verhindert werden kann.
Letztendlich aber können und wollen wir das
Unaufhaltsame nicht aufhalten. Die krassen
Wirtschafts-Expert*innen der bergpartei, die
überpartei geben diesem Finanzsystem noch 5 bis
1 0 Jahre. Je nachdem. Denn mit jedem Krieg, den
das System vom Zaun bricht, gewinnt es ein paar
Jährchen hinzu. Die Zeit aber wird kommen. Unser
Ziel ist nicht an diesem – eher zwangsläufigen –
Prozess mitzuwirken, sondern neoliberale Strukturen
rechtzeitig zu verlassen. Es gab nicht nur ein „vor
dem System”, wird nicht nur ein „nach dem System”
geben. Es kann auch ein „neben dem System”
geben. Wir machen hier einfach nicht mehr mit!
Sicher, müssen wir das System von innen zerstören,
denn noch haben wir weltweit keine andere Wahl. „Befreiung aber setzt den Bruch voraus.“ (Thomas Atzert)
Wir haben beschlossen, wir kämpfen im 3. Weltkrieg nicht mit, hungern in der nächsten Weltwirtschaftskrise nicht
und sind nicht weiter erpressbar für das Geld der Bosse. Deshalb sind wir für ein neues Aussteigertum. Mit den
Menschen, mit denen wir leben möchten wir arbeiten und unser Brot teilen. Für eine faire, chef-freie, solidarische
Wirtschaftsordnung!
„Wo steht geschrieben, dass ein Mensch für einen anderen arbeiten muss?“
(Weisheit der Plantagenarbeiter*innen)

Natur oder Fortschritt
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,
aber nicht für jedermanns Gier.“ (Mahatma Gandhi)

Die beginnende Möglichkeit einer Vereinigung von Religion und Wissenschaft ist das bedeutsamste, aufregendste Geschehen unseres heutigen intellektuellen Lebens. Es ist sehr schön, dass es Leute gibt, die die Wahrheit suchen,
beweisen wollen und sich über alles, was sie entdecken, wundern können. Aber warum reicht es der Wissenschaft nicht, sensationelle Entdeckungen zu machen? Reicht nicht das tiefe Verstehen? Die materialistischen Wissenschaften abstrahieren Einzelnes raus und der Rest wird wegrationalisiert. Man seziert das Leben auseinander, statt es im Ganzen zu genießen.
Kommunikation zum Beispiel, wird immer stärker in immer mehr
Bereichen technisiert, bis sie schlussendlich hinter der Technik
verschwindet, in ihr untergeht. Probleme der Kommunikation
werden zu Problemen der Technik, die auch nur technisch gelöst
werden können. Warum muss immer etwas Neues erfunden
werden? Die meisten Erfindungen dienen doch nur der Trägheit
und der Ablenkung von einem selbst. Ganz zu schweigen von
dem Zeug, das mensch gegen andere verwenden kann. Die technische Revolution hat das Leben nicht verbessert, sondern die Natur vergiftet. Doch niemand braucht Autos, Fernseher und Flugzeuge zum Leben. Wir wollen auch
nicht auf den Mars. Wir sind für andere Wege kosmischer Abgehobenheit! Nun wollen wir nicht eine Welt ohne Strom. Aber lieber als gar keine Welt. Unsere Wissenschaftskritik ist umfassend, aber nicht vernichtetend. Auch nach dem physikalischen Weltbild allerdings wird der Fortschritt der Menschheit daran gemessen, wie effizient wir die Sonnenenergie zu Leben umsetzten.
Fort-Schritt ist immer der, der Menschen zueinander führt! Die
Revolution, auch die geheime der Technik, wird nur verändern. Aber
wirklich ändern kann nur, was die Herzen der Menschen zu
verändern vermag.
Die Welt muss nicht katalogisiert und gezählt werden. Es gibt
garkein Gesamtbild des menschlichen Weltwissens, zu dem nur die
passenden Puzzleteile zusammengetragen werden müssen.
Trotzdem ist nicht alles relativ! Jeder Mensch hat eine ganz eigene
Sicht, die durch die soziale Positionierung verortet wird. Methode, Auftrag und Zusammensetzung der
Wissenschaftler*innen bedingen, was als „wahr“ geglaubt wird. Der bisherige Anspruch einer neutralen Objektivität,
einer passiven Welt und „Natur“ hat nur herrschaftsförmige
Wissensprodukte mit riesigen Auslassungen geschaffen.
Wissenschaft muss ethische Fragen und politische Strategien
globaler Gerechtigkeit mit einbeziehen. Wahrheit liegt vielmehr in
der Vermittlung zwischen den Menschen, ist konkretes,
kontextualisiertes und situiertes Wissen. Zwischen Wirklichkeitsund Möglichkeitssinn liegt ein großer neuer Raum, jenseits gängiger
Zitier-Kartelle und Verständlichkeits-Regime.
Vertrauen können wir, dass die Sterne gezählt sind wie die
Sandkörner und dass alles, was wir brauchen, bereits existiert.
Damit haben wir uns endlich zu der wirklich wichtigen Aufgabe
durchgewurschtelt: Das Hegen der Natur.
Jedes Kind weiss eine schöne Blume zu schätzten und ein intimes
Verhältnis zur Natur zeichnet den lebensfrohen Menschen aus.
Gut. Als Erstes sei dahingestellt, dass die Natur auch ohne Gärtner
klarkommt und uns Menschen auch überleben würde, sollten politische
Initiativen wie unsere scheitern. Es geht uns also mal wieder nur um
den reinen Selbsterhalt, wenn wir von der „ökologischen Katastrophe“
reden.
Auch der Raubbau an der Natur ist ein sadistischer Auswuchs
zwischenmenschlicher Frustration. Also theoretisch könnten wir erst,
wenn das System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen
im Ganzen abgeschafft ist, daran machen, unzählige ökologische
Reformen durchzuführen. Wir sind dieser Erde nicht wert, wenn wir uns
hier weiter gegenseitig fertig machen. Einer baut da ein Rad, ein
Anderer die Tür, der Andere die Schaufel, der Nächste fährt damit die
Bäume um. Niemand
hat Kontrolle über die ganze komplexe Maschine. Auch
demokratische Nationalstaaten sind machtlos gegen die Mafia der
Konzerne.
Nur ein Handelssystem, das ohne transatlantische Umwege und
abstrakte Börsenspekulation vom Produzenten direkt zum
Konsumenten liefert, ist auch in der Lage, alle globalen
Konsequenzen zu berücksichtigen. Unternehmen müssen so
organisiert sein, dass alle dieses Risiko tragen und ökologische
Bedenken entscheidend einbringen können. Was die Grünen nicht
verstehen: Ökologische Standards durchzusetzen heisst, die
kapitalistische Verwertungslogik außer Kraft zu setzen.
„Unsere Landschaften
wurden früher von den Händen der bäuerlichen Handwerker geschaffen.
Heute, wo das Land hauptsächlich von schweren Maschinen bestellt wird
und die Arbeitszeit teuer geworden ist, gibt es für Derartiges weder Zeit
noch Geld. Die Landschaft und die Menschen, die die Landschaft lieben,
sind die Verlierer*innen. Die seit Jahrhunderten typischen Merkmale
verfallen langsam. Schneller geht das bei der Flurbereinigung. In
kürzester Zeit hat die industrialisierte Landwirtschaft große Teile unserer
Landschaft leergeräumt, Monokulturen geschaffen und den Boden
ausgelaugt. Wir können nur hoffen, dass die Handwerke, die seit
Generationen unsere Landschaft gestaltet haben, nun nicht völlig in
Vergessenheit geraten.“ (John Seymour) Denn der fruchtbare Boden
allein ist und bleibt der größte Schatz, der auf diesem Planeten zu finden
ist. Dieser Grund und Boden gehört allen! Niemand von uns hat ihn
erschaffen und darf ihn besitzen, verkaufen, verpachten oder mehr davon
beanspruchen, als zum Überleben gebraucht.
„Wir retten die Welt sag ich und werd‘ ausgelacht
Doch wenn das alle denken würden hätten wir’s schon längst gemacht“
(Thomas D.)
Noch sind die Naturschutzgebiete Museen des einst intakten Ökosystems,
wo die Artenvielfalt konserviert wird. Doch für uns bald die Keimzellen der
Verwilderung. Wir ersehnen nämlich das Prinzip der Permakultur
angewandt. Das ist eine Anbaumethode, mit der die Einheit der Natur nicht
weiter zerstört wird, sondern dem Kreislauf nur zutut, was ihn wirklich
unterstützt und nur nimmt, was wirklich gebraucht.

Liebe zum Leben und Hass auf das System

Wahrheit verpflichtet

Wir wissen nicht genau, wie wir zusammen unser Glück finden können, so in Frieden und Freiheit.
Aber wir machen uns auf den Weg. „Fragend schreiten wir voran“ (Motto der EZLN) Der Zweifel gehört dazu, den Kurs zu korrigieren. Die Widersprüche (die bestimmt aufgefallen sind) halten uns wach und kontrahieren zu
unbändiger Aktivität. Unsere Konzepte sind keine Patentlösungen, Analysen nicht letzte Wahrheit, Dogmen beweglich. Wir sind „freie Menschen in freien Vereinbarungen“ (Jörg Bergstedt). Obwohl wir gerade auch ein
Versuch strafferer Strukturen sind. Uns verbindet die Angst vor der kollektiven Bedrohung, die alle Menschen doch endlich sehen mögen. Sind wir uns in der Angst auch einig, am Leiden aber spalten sich schon die Geister.
Denn der wenigste Schmerz ist auf Unrecht oder Unterdrückung zurückzuführen. Er gehört zum Leben dazu und wird auch ewig ein Teil davon sein. Einiges wird sich eben nie ändern … Vieles … fast Alles.
Aber einige dieser veränderbaren Realitäten haben wir – sorgfältig mit
Meinung versehen – in diesem Programm angeklagt und nötige
Verbesserungsvorschläge abgeleitet. Diese Wunsch- und Mängelliste wird
ewig weitergeführt werden. Wir suchen immer nach guten Ideen, wie das
menschliche Zwischeneinander besser – also weniger – geregelt werden
kann. Denn Politik ist, was alle angeht. Und zwar zusammen. Für
Aufgaben, die niemand alleine bewältigen kann, müssen wir die Angst, die
uns trennt, überwinden.
Unser Ziel ist: Die selbstzerstörende Vereinigung!
… der Masse auf der Straße. (zu Revolutions-Zwecken)
Für das ozeanische Gefühl der Befreiung und Erlösung!
Das Leben im Kapitalismus ist für einen fühlenden Menschen einfach nicht
auszuhalten. Es ist gezeichnet von Resignation, Lügen und
Widersprüchen. Resignation daher, dass Macht nicht entstehen könnte,
wo keine Ohnmacht wäre. Die Lüge, Illusion dabei ist die Vorstellung, die wir
(jeder für sich) von uns haben. Der Widerspruch ist, dass wir – bei allem – den
grausamen Verrat tagtäglich mitmachen.
Über den Tellerrand persönlicher Sorgen hinaus sehend, sind weder Hysterie
noch Verschwörungstheorien, sondern gerade diese Lebensrealitäten, die
nach Änderung schreien, die Grundlage unseres politischen Engagements,
wie die Erkenntnis, dass das Leben wie bisher geführt nicht aufrechterhalten
werden kann. Daher hat unser Weg so viel mit Selbstbehauptung zu tun, wie
mit Verzicht. Uns sind diese Ziele wichtiger als wir selbst. In der Zeit
vereinsamenden Individualismus` wollen wir das „Gemeinwohl“ wieder
ausgraben, das durch den Einzelnen die kollektive Einheit anstrebt. Niemand
kann frei sein, wenn es nicht alle sind.
Wir müssen gut aufeinander achten, um unsere dekadenten Angewohnheiten, menschlichen
Wahrnehmungsfilter, schädlichen Verhaltensmuster und ignoranten Denkweisen abzubauen. Es ist ein weiter
Weg. So tief hat sich das Besitzdenken in unser Leben als fast selbstverständlich eingelebt.
Nur die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben wird es sein, welche die Mächtigen stürzen wird. Ohne mutig
schöne Utopien geht es dabei nicht. Unsere Motivation ist da nur der menschliche Drang, unsere Umwelt zu
verändern. Diese Möglichkeit schaffen wir und damit ein nützliches Werkzeug zur Selbst- und Mitbestimmung für
alle.
„Wenn einer alleine träumt, so ist es nur ein Traum.
Wenn viele gemeinsam träumen ist das der Beginn. Der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Träumt unseren
Traum.“ (Hélder Câmara)

Stand: 21.02.2017